Buchtipp: Arbeitsbuch Zwangsstörungen

Heute möchte ich euch eines der beiden Bücher zum Thema Zwangserkrankung vorstellen, aus denen ich bisher am meisten für mich mitnehmen konnte:

neues 820

  • Autoren: Bruce M. Hyman (Verhaltenstherapeut in den USA, spezialisiert auf Zwangsstörungen)& Cherry Pedrick (Krankenschwester und selbst betroffen von einer Zwangserkrankung)
  • Verlag: G.P. Probst
  • Seitenzahl: 400
  • Preis: 28 Euro
  • Sonstiges: Das Buch ist relativ groß, broschiert und hat ein Lesezeichen als Extra.

Meine Meinung

Im Vergleich zu vielen anderen Selbsthilfebüchern über das Thema Zwangserkrankung ist dieses hier recht umfangreich und geht inhaltlich deutlich mehr in die Tiefe. Das Arbeitsbuch Zwangsstörungen empfehle ich darum, wenn man als Betroffener ein gewisses Maß an Konzentration aufbringen kann und einen Ratgeber sucht, der einen durch die kognitive Verhaltenstherapie begleitet / man eine solche schon gemacht hat und selbstständig weiterüben will / man sich noch unschlüssig ist, ob diese Therapieform das richtige für einen ist und man schon mal einen Einblick in die Arbeitsweisen bekommen möchte oder auf einen Therapieplatz warten. Auch für Angehörige und Fachleute kann das Arbeitsbuch wegen seiner Vielschichtigkeit sicher eine hilfreiche Lektüre sein.

Damit kommen wir auch schon zu dem Grund, warum mir dieser Ratgeber so gut gefällt. Er erklärt nicht nur, was eine Zwangsstörung ist, welche Erklärungsmodelle und Behandlungsmethoden existieren (erster Teil des Buchs), sondern bietet auch einen großen Übungsteil basierend vor allem auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie (zweiter Teil).

Sehr gut fand ich, dass der Erklärungsteil viele anschauliche Fallbeispiele beinhaltet und die Vielfältigkeit der Symptome dabei nicht außer Acht gelassen wird. Während andere Ratgeber sich manchmal mehr auf Zwangshandlungen konzentrieren, Zwangsgedanken dafür leider aber eher stiefkindlich behandeln, wird hier beides gleichermaßen thematisiert und es werden verschiedene Arten von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen vorgestellt.

Im Selbsthilfeteil findet man dann viele konkrete Übungsideen je nach dem, unter welchen Zwängen man leidet. Auch das Metakognitive Training wird angesprochen (hier geht es darum, an verzerrten inneren Überzeugungen zu arbeiten, die typisch für Menschen mit Zwangserkrankung sind, z.B. den Gedanken, alles kontrollieren zu müssen und keine Unsicherheit ertragen zu können). Achtsamkeitsansätze werden ebenfalls vorgestellt.

Es gibt insgesamt viele Kopiervorlagen für Arbeitsmaterialien, z.B. Fragebögen, um die eigenen Zwänge zu erfassen und Protokolle für Expositionsübungen.

Auch Angehörige werden immer wieder angesprochen und finden Erklärungen und Ratschläge, was das Leben mit einem Zwangserkrankten angeht. Schließlich werden auf den letzten Seiten auch sogenannte Erkrankungen des Zwangsspektrums wie Trichotillomanie thematisiert.

Kritikpunkt:

Manche der vorgeschlagenen Expositionsübungen empfinde ich als zu hart für den Anfang, gerade wenn sie im Alleingang ohne therapeutische Begleitung durchgeführt werden sollen (das Buch wirbt ja explizit damit, auch für Leser geeignet zu sein, die keine Therapie machen). Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich damals zu Krankheitsbeginn und in einer Akutphase einige dieser Übungen ohne therapeutische Begleitung a) richtig hinbekommen hätte und vor allem aber b) mit den aus der Konfrontation resultierenden starken Gefühlen allein so gut klargekommen wäre. Aber vielleicht bin ich auch nur zu sehr Sensibelchen? 😉

Fazit

Hat mich der Preis mit meinem Studentenbudget zuerst doch abgeschreckt, bin ich im Nachhinein froh, in dieses Buch investiert zu haben. Ich vertiefe damit immer wieder mal gern das in der Therapie Gelernte und konnte auch davon abgesehen Neues und Hilfreiches über meine Erkrankung und den Umgang mit ihr lernen.

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