Das erste Ausbildungsmodul

Hallo ihr Lieben,

wie versprochen hier ein kurzer Rückblick auf das erste Unterrichtsmodul! Wenn ihr Fragen habt zum Ablauf der Ausbildung, den Inhalten etc. – gern 🙂

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Letzte Woche hat meine Ausbildung angefangen, 3 Tage Blockunterricht. Ich bin überrascht, wie gut es mir gefallen hat und wie viel ich bereits nach den ersten Unterrichtstagen für mich mitnehmen konnte an Denkanstößen und Impulsen, positiven Erfahrungen mit dem Gruppensetting und neuem Wissen.

Unser Kurs besteht aus ca. 20 Teilnehmern verschiedener Altersklassen, beruflicher Hintergründe und F-Diagnosen (z.B. Borderline, Suchtproblematik, Schizophrenie, Depression, Angsterkrankungen …) Ganz unterschiedliche Charaktere und Lebensgeschichten kommen zusammen.

Dabei ist es nicht Voraussetzung, dass wir vollständig genesen sind. Es reicht aus, so stabil zu sein, dass man sich zutraut, das Unterrichtssetting inklusive Hausaufgaben und Pflichtpraktika zu bewältigen.

Wichtig ist ebenfalls die Bereitschaft zur Selbstfürsorge, da sowohl die Gruppenprozesse als auch die behandelten Themen und die Praktikumserfahrungen aufwühlend sein können. Deshalb wird auch Wert darauf gelegt, dass man Ansprechpartner in seinem persönlichen Umfeld hat, mit denen man sich bei Bedarf über die Kursinhalte oder die Gefühle, die diese hervorrufen, austauschen kann.

Unsere Kursleitung und die anderen Dozenten, die sie unterstützen, haben teilweise selbst Erfahrungen mit seelischen Krisen und alle haben zuvor eine spezielle Trainerausbildung absolviert, manche auch die Genesungsbegleiterausbildung.
Die Ausbildung dauert insgesamt 1 Jahr, ist in Teilzeit ausgelegt und gegliedert in 2 Semester, in denen 12 Module behandelt werden und 2 Praktika zu je 120 h abgeleistet werden müssen. Der Unterricht erfolgt in Blöcken (ein Block pro Modul), an den freien Tagen sollen die Hausaufgaben gemacht und die Praktika eingeplant werden.
Am Ende steht eine Art Abschlussarbeit, das sogenannte Portfolio – eine Mappe, die unsere Persönlichkeit, die persönliche Krankheits- und Genesungsgeschichte, die in der Ausbildung gesammelten Erkenntnisse und praktischen Erfahrungen, unsere beruflichen Wünsche und einiges mehr widerspiegeln soll. Am Portfolio soll kontinuierlich die gesamte Ausbildungsdauer über gearbeitet werden.
Unsere Kursleitung und ihre Unterstützer*innen haben den Unterricht bisher sehr vielfältig gestaltet, was mir gut gefallen hat. So gab es z.B. Kennenlernübungen, die Erarbeitung bestimmter Themen in Kleingruppen und danach das Zusammentragen der Ergebnisse in der Großgruppe, Partnerinterviews und mehr.
Ich habe aber auch schon gemerkt, wie sehr einige der Übungen und das, was man von den Mitschülern erfährt, emotional nachwirken können.
Am intensivsten fand ich eine Übung, in der jeder eine persönliche Krisenerfahrung anhand von 10 Hauptwörtern auf Kärtchen aufschreiben sollte. Ziel war, möglichst den Weg in die Krise darzustellen, deren Höhepunkt und den Weg hinaus.
Zuerst wurden Kleingruppen gebildet, dann sollte jeder innerhalb dieser kleinen Gruppe seine Kärtchen in der richtigen Reihenfolge auslegen.
Danach sollten zwei aus der Gruppe versuchen, die Geschichte des Kärtchenbesitzers anhand von dessen Stichwörtern nachzuerzählen. Schließlich hat dann dieser seine Geschichte so erzählt, wie sie sich wirklich zugetragen hat und die vorherigen beiden Erzähler konnten überprüfen, ob sie mit ihren Vermutungen richtig lagen oder nicht.
Der nächste Schritt beinhaltete, dass jeder von uns seine Kärtchen an einer großen Tafel festgepinnt und dann seine Stichwörter – ohne weitere Erklärungen – dem gesamten Kurs vorgelesen hat. Im nächsten Unterrichtsblock im September sollen wir dann abschließend unsere Krisengeschichte vor der gesamten Gruppe ausführlicher erzählen …
Diese Übung war für mich gar nicht so sehr während der Durchführung selbst, sondern im Nachgang wieder zuhause sehr emotional und hat mich noch länger beschäftigt.

Auch an das Pendeln und das Lernen in einem schulähnlichen Setting muss ich mich erst einmal wieder gewöhnen.

6 Kommentare zu „Das erste Ausbildungsmodul

  1. Wow. Die Übung klingt sehr intensiv. Und irgendwie auch intim. Gerade bei so fremden Menschen. Puh.
    Ich kann gut verstehen, dass dich das emotional sehr beschäftigt (hat)!

    Ich lese gerne mehr zu der Ausbildung. Was sind das zB für Hausaufgaben? Also abgesehen von der Portfolioarbeit?

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo ☺

      Ich empfand die Übung auch als intensiv und persönlich und fand es deswegen gut, dass unsere Kursleiterin sie quasi in verschiedene Schritte eingeteilt hat, die sich langsam steigern. Und man durfte vorab selbst auswählen, welche seiner Krisen man nehmen wollte, es musste also nicht zwangsläufig die erste oder letzte sein oder die schwierigste.

      Die Hausaufgaben beziehen sich immer auf das jeweilige Modulthema und werden teils in einem extra Arbeitsbuch, teils am PC bearbeitet und dann in unsere virtuelle Lernplattform eingestellt. Mal ist das Literaturrecherche, mal eine Collage zu einem bestimmten Thema basteln, oder eine Selbstreflexionsaufgabe … Ganz unterschiedlich.

      Bei weiteren Fragen schreib mir gern hier oder auf Instagram! 🙂

      Gefällt 1 Person

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