Die Sache mit dem alleine Sein

War ich eine zeitlang in Gesellschaft – z.B weil ich zu Besuch bei meiner Familie war oder weil jemand mich besucht hat – und bin danach wieder alleine, leide ich unmittelbar danach oft unter starken Verlassenheitsgefühlen und Einsamkeit. In der Schematherapie würden wir sagen, dass ich in solchen Situationen in ein kindliches Erleben rutsche. Ich fühle dann nicht mehr wie eine erwachsene Frau, sondern wie ein verängstigtes, trauriges Kind. Es ist mir gerade peinlich, das aufzuschreiben und doch entspricht es den Tatsachen.

Warum ich gerade darauf komme? Nun, ich befinde mich gerade auf dem Heimweg von einem Familienbesuch und habe jetzt schon Angst vor dem Moment, in dem ich nachher wieder alleine in meiner Wohnung bin. Früher, als ich noch mit meinem Ex-Partner zusammengewohnt habe, waren diese Ängste zwar auch da, aber nicht so ausgeprägt. Seit ich allein wohne, hat es sich deutlich verstärkt.

In der Therapie haben wir darüber gesprochen, dass ich lernen muss, mich in solchen Momenten selbst zu beruhigen und zu trösten. Meine innere Erwachsene soll dann zu dem verängstigten Kind sprechen und es liebevoll versorgen mit seinen Bedürfnissen. Das übe ich jetzt schon eine Weile und finde es immer noch sehr, sehr sehr schwer. Automatisch wünsche ich mir dann „Rettung“ von außen – dass jemand Vertrautes kommt und mich aus meinem Zustand „befreit“.

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11 Kommentare zu „Die Sache mit dem alleine Sein

  1. Liebe Nelia,
    ich kenne dieses Verhalten/ Gefühl sehr sehr gut. Das passierte mir auch oft, als ich eine zeitlang keinen Partner hatte. Ich habe daher auch nie alleine gewohnt, sondern immer in WGs. Das ist natürlich nicht die Lösung. Ich sende dir viel Energie um nachher Kontakt zu deinem Inneren Kind aufzunehmen. Tröste es und zeige ihm, dass du bei ihm bist. Hast du schonmal mit Imaginationen gearbeitet? Mir hilft es manchmal.
    Du schaffst das. Du bist nicht allein. Liebe Grüße

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    1. Danke, liebe Lynn 🧡
      Ich überlege, aus genau diesem Grund in eine WG zu ziehen … Weil ich einfach so unglücklich bin mit dem alleine Wohnen.
      Ja, mit Imaginationsübungen haben wir in der Therapie schon gearbeitet. Das klappt in Eigenregie bei mir mal mehr, mal weniger.

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  2. Das braucht dir gar nicht peinlich zu sein.
    Es ist (wie vermutlich alles) ein Prozess und es braucht Zeit. Und in dieser Zeit darfst du sanft mit dir umgehen, dein inneres Kind trösten (weil natürlich ist es ein doofes Gefühl, wenn da erst Menschen, die man liebt, um einen herum waren und die dann „plötzlich“ weg sind!) und achtsam mit dir umgehen ♥️

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    1. Danke dir für das Verständnis und die lieben Worte 🧡
      Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich als Jugendliche ein paar schmerzhafte Verlusterfahrungen hatte, dass ich allein Sein immer noch automatisch mit Verlassen Sein assoziiere …

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  3. Ja, manchmal ist Inneres Kind versorgen etc bestimmt total hilfreich und wichtig… Ich merke aber auch immer öfter dass ich es auch okay finde (möglichst nicht in Kind-Zustand, sondern erwachsen); Tränen laufen zu lassen und meine Traurigkeit über das allein sein heute (und Damals) zu fühlen… Ich hatte jedenfalls mal ne Zeit wo ich es total nervig fand, immer „mich“ innerlich zu versorgen, statt mir erwachsen auch den Schmerz über die Situation zu erlauben, weil vielleicht ist Mensch auch traurig nach schönen Stunden mit lieben Menschen über das allein sein… Ich finde das darf auch sein. … Kam mir als Gedanken dazu…

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    1. Hallo Lia-Lani,
      danke für deine Sichtweise!
      Du hast Recht, es ist wichtig, die Traurigkeit und den Schmerz nicht zu verdrängen bzw. sofort beseitigen zu wollen … Leider tue ich mich noch schwer im Emotionen zulasssen, aber ich arbeite daran.

      Liebe Grüße!

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  4. Liebe Neila, ich habe dieses Gefühl, wenn ich ausgehe und mir dann – wenn ich alleine ausgehe- bewusst werde, dass ich wieder alleine heimgehe… Ich bin ja schon so lange single und jetzt mal habe ich mit einem Mann geredet. Er hat mit mir 2 Stunden geredet und das war dann gut… da hatte ich das Gefühl, dass ich jemanden gespürt habe… Das war schön…. Ich habe einen großen Freundeskreis und heute von einer Freundin eine Liebeserklärung bekommen… Aber wenn mein Herz die Einsamkeit fühlt, die ich wahrscheinlich als KInd gefühlt habe, dann fühle ich mich alleine. Ich denke immer ich muss einen Freund haben, aber nicht, weil mir die Nähe abgeht.. ich denke dieses Gefühl soll weg… Danke Neilia, ich lese immer bei deinem Beiträgen mit und finde sie auch immer gut, aber der hat mir am meisten geholfen von allen :* du bist SUPER, du kannst vielen Menschen sehr helfen…

    deine SIgrid

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    1. Liebe Sigrid,
      vielen lieben Dank, ich freue mich, wenn mein Beitrag auch für andere bzw. in diesem Fall für dich hilfreich war! Ich habe ihn gestern während der Zugfahrt nach Hause ganz spontan geschrieben. Es tut mir sehr gut zu lesen, dass ich mit meinen Gefühlen anscheinend nicht alleine bin …

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  5. Ich kann das Gefühl nachvollziehen. Es gab sogar Momente in meinem Leben, in denen ich auf den Kontakt verzichtet habe, um hinterher nicht das Gefühl des Verlustes fühlen zu müssen. Das hat mir gezeigt, dass bei mir ein Gefühl von Ohnmacht im Bezug auf Beziehungen dahinter steckt. In dem Sinne, dass ich das selbst überhaupt nicht steuern kann, wie viel Nähe ich bekomme, ob die andere Person gleich wieder verschwindet, ob sie sich von mir abwendet usw. Das Nicht-Auf-Beziehung-Einlassen schien die einzige Weise zu sein, wie ich selbst über Beziehungen entscheiden konnte. Da fehlte also das Vertrauen, das Beziehungen verlässlich sind und sich mir jemand von alleine zuwendet und Kontakt sucht. Vielleicht findest du etwas davon in dir wieder.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass du den sanften, fürsorglichen Teil in Dir findest, der die Liebe hat, den ängstlichen und traurigen Teil in den Arm zu nehmen.

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      1. Ja, klar, ein Schutzmechanismus. Nur doof, wenn man irgendwann so viele Schutzmechanismen hat, das von dem, was man schützen wollte – das eigene Leben – nichts mehr übrig ist. 🙂

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