Scherbensplitter

Ich wünschte, ich könnte es dir irgendwie sichtbar machen, das Chaos in meinen Inneren aus

AngstPanikHoffnungSchuldgefühlenSchamleisewachsendemSelbstbewusstsein

SelbstablehnungGrübelnMutVerzweiflungGlückZuversichtWutLebensfreudeStolz

LebensmüdigkeitLiebeTraurigkeitZukunftsträumen

und so vielem mehr, damit du mich verstehst.

Ich wünschte, du könntest es fühlen, irgendwie, für einen Augenblick nur nachvollziehen, wie ich mich anstrenge. Deine Vorwürfe schneiden wie Scherbensplitter in meine Seele.

Ich wünsche mir so sehr, dass du mich siehst und anerkennst, wie ich kämpfe.

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Suchbegriffe 2

Seit dem ersten Suchbegriff-Post haben sich einige neue Begriffe in der Blogstatistik angesammelt. Also, auf geht´s! 🙂

„Zwangsgedanken“

Zwangsgedanken sind aufdringliche Gedanken/Bilder/Impulse, die Angst, Anspannung oder andere unangenehme Gefühle im Betroffenen wecken und als quälend erlebt werden. Man weiss, dass diese Gedanken zu einem selbst gehören, hat aber das subjektive Empfinden, ihnen ausgeliefert zu sein. Die meisten Menschen mit Zwangsstörung leiden sowohl unter Zwangsgedanken als auch unter Zwangshandlungen.

Es gibt verschiedene Arten von Zwangsgedanken, z.B. aggressive, sexuelle, religiöse … Darüber hatte ich hier schon einmal geschrieben.

Eine passende medikamentöse Einstellung kann (nicht muss) die Häufigkeit und Intensität der Zwangsgedanken meiner Erfahrung nach reduzieren, wird sie aber leider nicht völlig zum Verschwinden bringen.

Hierfür ist eine Therapie bei einem mit der Behandlung von Zwangsstörungen erfahrenem Therapeuten sehr wichtig. Je eher die Behandlung erfolgt, um so besser, da Zwangsstörungen unbehandelt leider zur Chronifizierung neigen. Hilfe können z.B. Expositionsübungen bringen. Man übt, die Gedanken, die einem so Angst machen, auszuhalten, zu Ende zu denken und sie als das anzunehmen, was sie sind: Bloße Gedanken, die nicht bedeuten, dass man ein schlechter Mensch oder gefährlich etc. ist. Etwas zu denken bedeutet nicht, es auch zu tun! Zudem sind Gedanken nicht kontrollierbar – je mehr man sich gegen einen Gedanken wehrt, um so aufdringlicher wird er.

„Aggressive Zwangsgedanken“

Eine Art von Zwangsgedanken, die ich persönlich immer als quälenstes Symptom meiner Zwangserkrankung erlebt habe. Man leidet dabei unter der Angst andere Menschen (das können fremde oder nahe stehende sein)/Lebewesen wie z.B. Haustiere/sich selbst absichtlich oder unabsichtlich zu verletzen. Ein Beispiel dafür wäre der Zwangsgedanke einer Mutter, ihr Baby fallen zu lassen, wenn sie es auf dem Arm hat. Oder der Gedanke eines Mannes, beim Autofahren gegen den eigenen Willen einem Impuls zu folgen und jemand anderen umzufahren.

„Aggressive Zwangsgedanken gefährlich?“

Oh, wie gut ich diese Frage kenne …Endlose quälende Gedankenspiralen darüber, ob man selbst gefährlich, ein Psychopath, böse ist, kennen wohl alle, die von aggressiven Zwangsgedanken betroffen sind. Genau so wie Scham, Angst und Schuldgefühle als begleitende Emotionen.

Was mir damals geholfen hat waren die Worte meiner Psychiaterin: Menschen, die wirklich vorhätten, anderen etwas Schlimmes anzutun, dächten vorher nicht ängstlich darüber nach, sondern täten es einfach. Zwangserkrankte hätten dagegen meist hohe moralische Standards, die sich der Zwang dann ganz fies zu Nutzen macht, um den Betroffenen in Form von Zwangsgedanken mit Vorstellungen darüber zu quälen, was derjenige am meisten fürchtet: Andere zu verletzen, zu stehlen, etwas zu tun, was gegen den eigenen Glauben verstößt, jemanden sexuell zu belästigen usw. … Je nachdem, um welche Art von Zwangsgedanken (aggressivee, moralische/religiöse, sexuelle…) es sich eben handelt.

„Zwängemonster“

Die Metapher vom Zwangsmonster stammt aus dem großartigen Ratgeber „Dem Zwang die rote Karte zeigen“. Er ist eigentlich für Kinder und Jugendliche konzipiert, aber ich kann ihn auch erwachsenen Lesern wegen seiner Anschaulichkeit sehr empfehlen! Ich habe die Metapher vom Zwangsmonster für mich übernommen, da sie mir hilft, das Thema Zwänge auf eine humorvolle Weise anzugehen. Humor nimmt für mich dem Ganzen einen Teil des Schreckens.

„Kreative Zwänge“

Hmm, ich frage mich, was damit gemeint ist . Zwänge, die einen bei kreativen Hobbys wie z.B. Malen und Schreiben einschränken? Oder dass Zwänge einen kreativ machen? Wenn ihr Ideen habt, lasst es mich wissen 😉

„Blog Zwangserkrankungen“

Davon gibt es im deutschsprachigen Raum leider noch nicht so viele;  ich hoffe sehr, das ändert sich mit der Zeit. Ich vermute, dass Scham hier noch eine große Rolle spielt. Wir „Zwängler“ müssen uns für unsere Krankheit aber genau so wenig schämen wie Menschen mit Depressionen, Diabetes oder Krebs. Das man es oft trotzdem tut, ist das Fiese daran.

An dieser Stelle möchte ich euch wärmstens ein paar Mitblogger ans Herz legen, die ebenfalls über ihr Leben mit Zwangsstörung schreiben oder geschrieben haben. Sie zeigen, wie individuell unterschiedlich die Erkrankung und Wege aus ihr heraus verlaufen können:

Wenn ihr weitere Blogs zum Thema kennt oder selbst dazu schreibt – ich bin für Lesetipps immer dankbar!

„Ich leide unter der Zwangsstörung meines Freundes“

Das tut mir sehr leid. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Zusammenleben mit einem zwangserkrankten Partner/-in hart sein kann.

Zum Einen, weil man als Außenstehende(r) nur schwer nachvollziehen kann, warum der/die  Partner*in nicht von seinen Zwangshandlungen lassen kann und so Angst vor seinen eigenen Gedanken hat (Zwangsgedanken).

Zum Anderen, weil Familie und Freundeskreis teils mal mehr, mal weniger stark in die Zwangsrituale einbezogen werden können.

Empfehlen würde ich engen Angehörigen wie Partnern einerseits, dass man versucht, sich ein gewisses Grundwissen über die Erkrankung  anzueignen. Zu verstehen, warum es für den Freund/ die Freundin eben nicht so einfach ist, seine Kontroll-, Waschrituale oder andere Zwangshandlungen sein zu lassen, sondern mit wahnsinnig viel Angst verbunden, oder warum „nur Gedanken“ den anderen so quälen und ängstigen, kann schon mal etwas Anspannung aus der Gesamtsituation nehmen. Wir Zwangserkrankte meinen es in der Regel nicht böse, wir wollen niemanden mit unserem Verhalten provozieren. Wir denken einfach, nicht anders zu können. Das es auch anders geht, müssen wir erst langsam lernen. Dieses Umlernen braucht viel Zeit, Mut, Kraft und Geduld und ist nur sehr schwer in kompletter Eigenregie zu bewältigen. Therapeutische Untertstützung und ggf. auch medikamentöse ist hier oft eine notwendige Voraussetzung.

Zum Anderen liegt die Verantwortung aber auch klar beim Erkrankten: Er/sie muss lernen, seine Angst auszuhalten, ohne auf Zwangshandlungen zurückzugreifen, seine Zwangsgedanken zu ertragen, ohne sich beim Partner rückzuversichern. Familie und Freunde sollten nicht in die Zwangsrituale einbezogen werden, denn so gibt man die Verantwortung als Betroffener nur an andere ab und lernt nicht, mit seinen Ängste und Befürchtungen umzugehen.

„Jobwechsel trotz Zwangsstörung“

Warum nicht? Je nachdem, wie stabil du dich fühlst! Lass dir vom Zwang nicht dein Leben wegnehmen.

„Depressionsstation Wochenende“

Ich tippe, hier ist die Wochenendgestaltung während eines Klinikaufenthalts gemeint? Soweit ich weiß, regelt das jede Klinik anders.

In der Klinik, in der ich war, hatten wir auf der Depressionsstation folgende Regelung: Das erste Wochenende nach der Aufnahme musste jeder auf Station übernachten. Tagesausflüge nach Hause, in die Stadt oder wohin auch immer bis spät abends waren aber möglich, sofern man das wollte und stabil genug war. An allen anderen folgenden Wochenenden durfte man, sofern stabil genug, eine Nacht daheim verbingen, also entweder die Nacht von Freitag auf Samstag oder von Samstag auf Sonntag. Wer wollte, konnte natürlich auch das gesamte Wochenende über auf Station bleiben.

Allgemein ist es so, dass in der Regel übers Wochenende keine Therapien laufen. Es kann also recht eintönig werden, wenn man keine Bücher, Malsachen, Hörbücher oder was man halt so mag, dabei hat, um sich zu beschäftigen und keinen Besuch erwartet. Darum besser vorsorgen.

Buchtipp: Dem Zwang die rote Karte zeigen

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„Menschen, die eine Zwangserkrankung haben, müssen andauernd Dinge denken oder machen, die sie nicht denken oder machen wollen, weil sie eigentlich wissen, dass das Quatsch ist.“

(Zitat aus dem Buch)

Basisinfos

  • Autorinnen: Susanne Fricke und Katharina Armour  (psychologische Psychotherapeutinnen, spezialisiert auf Zwangserkrankungen)
  • Verlag: Balance
  • Seitenzahl: 144
  • Preis: 17,95 Euro

Meine Meinung

Heute möchte ich einen weiteren der Ratgeber zum Thema Zwangserkrankung vorstellen, die mir am meisten geholfen haben. Das Besondere daran: Wie der Untertitel schon verrät, sind die Zielgruppe des Buchs eigentlich Kinder, Jugendliche und ihre Eltern. Aber auch ich mit Ende 20 konnte viel daraus mitnehmen und habe mich beim Lesen immer wieder verstanden gefühlt 😉

Ich muss es einfach betonen : Ich finde es so wertvoll und wichtig, dass es solche Bücher für betroffene Kinder, Jugendliche und ihre Familien gibt! Meine Erkrankung begann im frühen Teenageralter und blieb leider einige Jahre unerkannt und damit unbehandelt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ist, in diesem Alter mit Zwängen zu leben. Eine Zwangsstörung zusätzlich zu dem allgemeinen Gefühlschaos in der Pubertät, das ist nicht leicht. Die Zwänge können (müssen nicht) die schulischen Leistungen beeinflussen, den Kontakt zu Freunden, das Familienleben, das Selbstbewusstsein … Ein solcher liebevoll gestalteter und verständlicher Ratgeber wäre etwas gewesen, das mir damals sehr geholfen hätte. Er hätte vielen meiner Ängste und Selbstzweifel entgegengewirkt. Darum Daumen hoch für das Engagement der Autorinnen!

In dem Buch wird erklärt was eine Zwangsstörung ist und welche komorbiden Erkrankungen damit einhergehen können. Behandlungs- und Selbsthilfemöglichkeiten werden vorgestellt und auch Ideen und Ratschläge für das Familienleben gegeben. Alles auch Dinge, die man in Ratgebern für Erwachsenen findet.

Das Besondere an diesem Ratgeber sind die zielgruppenorientierte Sprache und seine Anschaulichkeit. Schwierige Sachverhalte, z.B. die Entstehungsmodelle einer Zwangserkrankung, werden so beschrieben, dass sie für junge Leser verständlich werden. Dabei wird mit vielen Beispielen gearbeitet, indem Fallbeispiele betroffener Kinder und Jugendlicher vorgestellt werden. Das schafft beim Lesen Gefühle wie „Ich bin nicht allein damit!“. Es gibt zahlreiche Illustrationen und Metaphern, um die Erkrankung anschaulich zu machen. Eine davon kennen Leser dieses Blogs schon: das Zwangsmonster! Das Monster begleitet die Leser durch das ganze Buch zusammen mit der Frage, wie man ihm „die rote  Karte zeigen“, also seinen Einfluss auf das eigene Leben beschränken und es dazu bewegen kann, ganz daraus auszuziehen. Um dieses Ziel zu erreichen, finden sich viele Ideen für Expositionsübungen und Arbeitsblattvorlagen zur Selbstbeobachtung. Diese kann man entweder direkt kopieren oder über die Verlagshomepage downloaden. Die Übungsaufgaben basieren auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und lassen sich gut im Alleingang, aber auch begleitend zu einer Therapie und/oder mit Unterstützung der Eltern durchführen.

Eltern werden das gesamte Buch über immer wieder direkt angesprochen und finden hilfreiche Erklärungen und Tipps, um ihr Kind besser zu verstehen und auf seinem oder ihrem Weg zum gesund Werden bestmöglich unterstützen zu können. Mit seiner Anschaulichkeit hat das Buch bei mir für einige Aha-Momente gesorgt, ich habe manche Punkte besser verstanden als in dem ein oder anderen Erwachsenen-Ratgeber.

Fazit

Ein ganz toller Ratgeber, den ich allen betroffenen Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern ans Herz legen würde. Aber auch der ein oder andere Erwachsene mit Zwangserkrankung wird sicher daraus etwas lernen und Hilfreiches mitnehmen können.