Scherbensplitter

Ich wünschte, ich könnte es dir irgendwie sichtbar machen, das Chaos in meinen Inneren aus

AngstPanikHoffnungSchuldgefühlenSchamleisewachsendemSelbstbewusstsein

SelbstablehnungGrübelnMutVerzweiflungGlückZuversichtWutLebensfreudeStolz

LebensmüdigkeitLiebeTraurigkeitZukunftsträumen

und so vielem mehr, damit du mich verstehst.

Ich wünschte, du könntest es fühlen, irgendwie, für einen Augenblick nur nachvollziehen, wie ich mich anstrenge. Deine Vorwürfe schneiden wie Scherbensplitter in meine Seele.

Ich wünsche mir so sehr, dass du mich siehst und anerkennst, wie ich kämpfe.

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Gemeines & Gutes

Das Gemeine am chronisch krank Sein?

Dass sich manche Tage so anfühlen, als sei es das erste Mal. Dann meine ich, in der Angst zu ertrinken, fühle depressiven Selbsthass und denke, die Zwangsgedanken nicht aushalten zu können, dass es keine positive Zukunft für mich geben kann.

Das Gute am chronisch krank Sein?

Irgendwann kommt mir zum Glück dann doch wieder in den Sinn, dass ich das alles schon kenne, es so oft durchlebt habe und die Welt und ich trotzdem noch stehen. In diesen Momenten werde ich dann wieder handlungsfähiger und kann auf meinen Erfahrungsschatz und mein mit den Jahren angeeignetes Wissen zurückgreifen, um mir selbst zu helfen.

Money, money, money …

Einer der Lebensbereiche, in denen ich aktuell mehr oder weniger stark mit den Auswirkungen meiner chronischen Erkrankungen konfrontiert werde, ist das Finanzielle. „Über Geld spricht man doch nicht, das gehört sich nicht,“ meldet sich eine Stimme in mir zu Wort, während ich diese Worte tippe. Aber warum eigentlich nicht? Aus Angst, als Materialist zu gelten oder als undankbar für das, was ich habe? Im Alltagsleben der meisten Menschen spielen finanzielle Aspekte schließlich eine Rolle und keine kleine, leider. Genug Geld eröffnet in unserer Gesellschaft Möglichkeiten, zu wenig schränkt diese ein – sei es im Bereich Bildung oder Freizeitgestaltung. Das sollte nicht so sein, ist aber leider so.

Ich würde mich nicht als Materialistin beschreiben. Ich brauche keine Markenklamotten oder das aktuellste Handymodell, um glücklich zu sein. Auch keine Urlaubsreisen mindestens ein Mal pro Jahr oder ein eigenes Auto (wobei Ersteres schon angenehm wäre ;-)). Frei von Wünschen nach materiellen Dingen oder Alltagsluxus bin ich aber auch nicht. Ich bewundere Menschen, die das können, die sich so von materiellen Dingen gelöst haben, dass sie sich selbst und die einfachsten Dinge ihnen genug sind.

Da bin ich anders. Da ist mein größtes Hobby, das Lesen. Ich habe die Macke, Bücher, die mir gut gefallen, auch besitzen zu wollen, am liebsten nicht in elektronischer (e-Book), sondern gedruckter Form. Eine gemütliche Wohnung mit Dekoration und farblich aufeinander abgestimmten Elementen ist mir sehr wichtig, damit ich mich zuhause wohlfühle. Manchmal möchte ich gerne mit meinem Partner ins Kino oder zum Schwimmen gehen oder etwas Anderes unternehmen. Ich gehe gerne mit meinen Freundinnen zum Kaffee Trinken in Cafés, weil ich die lebendige Atmosphäre dort so mag, und möchte mir hin und wieder mal eine Pizza bestellen, wenn ich keine Lust zu kochen habe. Ich möchte den leckeren Tchibokaffee kaufen statt den günstigen vom Discounter, den ich ziemlich ungenießbar finde … Und so könnte ich weiter machen.

In meiner Kindheit waren solche Dinge (dafür bin ich dankbar, denn ich weiß, dass es auch anders geht) kein Problem. Meine Eltern waren weder reich noch arm, ich denke, man konnte uns zum sogenannten Mittelstand zählen. Es gab Familienurlaube ein Mal im Jahr, gemeinsame Unternehmungen, Musikunterricht für uns Kinder, Spielzeug, Bücher, immer frisches Obst … Nach der Scheidung meiner Eltern war das Budget etwas knapper, aber wir kamen immer noch ganz gut aus.

Die ersten Semester meines Studiums konnte ich dieses finanzielle Level halten. Je länger ich jedoch krank war, um so mehr verkomplizierte sich die finanzielle Lage. Dazu trugen verschiedene Faktoren bei. Teils selbstverschuldet – z.B. als ich, schwer depressiv, Bafög-Unterlagen nicht fristgerecht einreichte und der daraus resultierende finanzielle Engpass. Ich hätte andere um Hilfe bei der Antragsstellung bitten können/sollen, habe das aber damals nicht geschafft. Andere Faktoren wiederum waren bzw. sind in meinen Augen Fehler des „Systems“, denn chronisch kranke Studenten sind in manchen Punkten schlechter gestellt als chronisch kranke Arbeitnehmer oder andere Personengruppen (so verliert man z.B. nach einer gewissen Zeit Krankschreibung/ohne Prüfungsleistungen  den Baföganspruch).

Ich weiß, anderen Menschen hier in Deutschland oder anderswo auf der Welt geht es viel, viel schlechter. Ich bin dankbar für das, was ich habe: eine gemütliche kleine Wohnung, eine komplett von meiner gesetzlichen Krankenkasse finanzierte Therapie, das Budget, um mir neue Kleidung zu kaufen, wenn das nötig ist anstatt gebrauchte nehmen zu müssen, ein Studium, auch wenn die Zahlung des Semesterbeitrags gerade in Ratenzahlung läuft … Und einiges mehr.

Aber manchmal werde ich trotzdem traurig und, dafür schäme ich mich, neidisch auf besser Gestellte, fühle mich so müde und ausgebrannt wegen finanzieller Sorgen. Während Kommilitionen an spannenden Auslands-Exkursionen unseres Lehrgebiets teilnehmen können, kann ich das nicht. Angesichts des Aufenthalts in einer spezialisierten Klinik, den ich für nächstes Jahr anpeile, kriege ich jetzt schon Bauchgrummeln, wenn ich an die zu leistende Zuzahlung pro Behandlungstag denke. Ich weiß, dass das auf 280 Euro höchstens begrenzt ist und chronische Kranke Ermäßigung bekommen können, aber der Restbetrag ist trotzdem noch hoch für meine aktuellen Verhältnisse. Ich würde Freunden, die Geburtstag haben, gerne schöne Geschenke kaufen, mich in einem Fitnesstudio und einem Sprachkurs anmelden und, wenn meine Freunde mit mir in ein Café gehen wollen, nicht immer erst besorgt im Kopf durchrechnen müssen, ob das jetzt noch drin ist oder nicht. Ich würde gerne mehr frisches Obst kaufen und öfter mal wieder ein Buch von meiner Wunschliste …

Mit der Zeit lernt man zu improvisieren. So leihe ich mir Bücher oft in der Bücherei aus, anstatt sie wie früher zu kaufen und kenne die Punkte in unserer Stadt, wo es freies Wlan gibt, inzwischen ziemlich gut, um Aufladungen meiner Prepaid-Karte möglichst lang vor mich herzuschieben. Und so weiter.

Gerne würde ich mich finanziell verbessern, aber ich schaffe es momentan a) gesundheitlich gerade nicht so viel neben dem Studium zu arbeiten, wie ich es im Bachelor zeitweise gemacht habe und habe b) als Studentin auch keinen Anspruch auf irgendwelche finanziellen Unterstützungen außer Bafög, was sich aber aus verschiedenen Gründen etwas kompliziert gestaltet. (Einen Studienkredit will ich nicht aufnehmen. Das hatte ich im Bachelor bereits eine zeitlang und es reicht mir, diesen Kredit zusammen mit den Bafögsschulden später zurückzahlen zu müssen.) Ich bin wirklich froh, dass mich mein Mann in finanzieller Hinsicht gerade so unterstützt, denn ansonsten sähe es düster aus. Aber schön fühlt es sich nicht an, diese finanzielle Abhängigkeit. Ich schäme mich oft dafür und fühle mich schlecht deswegen, obwohl ich weiß, dass es dafür keinen Grund gibt. Wie war das noch mal mit der Selbstabwertung? Hach ja.

Verstärkt wird das Ganze öfters, vor allem im Rahmen depressiven Episoden, durch Verarmungsängste (wohl ein gar nicht so seltenes Depressionssymptom) und die Angsterkrankung. „Was, wenn ich es nach Studiumsende nie schaffe, Vollzeit zu arbeiten? Was, wenn ich irgendwann krankheitsbedingt den Master abbrechen muss oder sogar komplett arbeitsunfähig werde? Oder wenn ich das Studium schaffte, aber dann keinen Job finde? Wie soll ich dann meine Studiumsschulden zurückzahlen ? Dann war der ganze Kampf umsonst! Was wenn …? „

Danke Katastrophisieren, du machst es so viel besser.