Ein holpriger Wochenstart

Meine Woche begann eher holprig. Grund ist zum Einen die Migräne, die mich seit Freitagabend begleitet, zum Anderen merke ich eine erhöhte emotionale Empfindlichkeit. Nachwirkungen der EMDR-Stunde vom Freitag oder Zufall? Ich weiß es nicht. Das Wochenende über war ich jedenfalls nah am Wasser gebaut und spürte Sonntag und heute Morgen das depressionsbedingte Morgentief zum ersten Mal seit längerem wieder deutlich. Ein Treffen mit einer guten Freundin heiterte mich gestern zeitweise auf.

Abends startete ich dann nach längerer Pause wieder mit den Expositionsübungen gegen bestimmte meiner Zwangsgedanken. Das klappte ganz gut, auf jeden Fall besser als erwartet.

Heute Morgen begrüßte mich dann Angst beim Wachwerden, was sich schubweise durch den Tag zog und seinen Höhepunkt während der Fahrt zur Arbeit mit einem überfüllten Zug fand. Ich halte mit PMR und dem Versuch positiv zu denken dagegen. Ich sehne mich schon nach Bett/Couch heute Abend … Gerade fühle ich mich von vielen Umwelteinflüssen überreizt und überfordert. Vieles erscheint mir trostlos und ich schaue pessimistisch in meine Zukunft. Nichts denken und fühlen zu müssen ein zeitlang, während des Schlafes keine endlosen Grübelspiralen und keine Angst mehr zu haben, ist da sehr verlockend.

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EMDR

Die erste EMDR-Sitzung mit meiner Therapeutin liegt hinter mir. Ich fühle mich erschöpft, aber auf eine eher gute Weise. Sie hatte mich schon vorgewarnt, dass ich mich am Ende der Therapieeinheit sehr müde fühlen könnte und es gut sei, sich den Rest des Tages auszuruhen. Genau das werde ich jetzt tun. Es ist ein wenig vergleichbar mit dem Gefühl, nach ein langen produktiven Arbeitstag nach Hause zu kommen. Die emotionale Anstrengung wirkt noch nach, es arbeitet in mir.

Vorhin beim Warten auf den Zug nach Hause und später daheim kamen ein paar Tränen. Und doch empfinde ich es ein großes Stück weit als Befreiung. Bestimmte Gedanken, Gefühle und Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugendzeit sind heute wieder präsent(er) geworden. Daran, wie weh manches eigentlich tat. Anschließend haben wir lange darüber gesprochen. Mir wurde bewusst, wie diese bestimmten Erfahrungen bis ins Heute hineinwirken und welchen Anteil sie an meinen Erkrankungen haben. Dass ich heute anders damit umgehen kann als damals und dass ich etwas tun kann, tun sollte, um mich vor Wiederholungen zu schützen. Dass das, was ich jahrelang als nicht so schlimm angesehen habe, eben doch nicht zu einer normalen Kindheit gehört. Es hat zum Glück keinen Traumacharakter, aber es war schmerzhaft und belastend und definitiv nicht in Ordnung von der betreffenden Person. Es hat mich geprägt. Und das alles darf weh tun und muss nicht wie jahrelang praktiziert von mir mit einem „So schlimm war das alles doch auch nicht“ abgetan werden.