Über’s vermeintliche Ertrinken

Inzwischen hatte ich zum ersten Mal Zwangs-Therapiegruppe. Ich freute mich darauf und war gespannt, ob ich viel Neues dazu lernen oder vor allem auf schon Bekanntes treffen würde. Im Nachhinein: Es war eine gute Mischung. Die „Basics“ kannte ich schon durch meine erste stationäre Behandlung, aber es waren auch einige spannende neue Ansätze dabei und Erkenntnisse, die sich aus der Diskussion und dem Erfahrungsaustausch mit meinen Mitpatienten ergaben.

Irgendwann kam dann aber der Wendepunkt im Laufe der Therapiestunde, an dem meine Stimmung von „alles im Lot“ ins Gegenteil kippte. Genauer gesagt dann, als der Therapeut spontan eine kleine Übung mit uns machen wollte, die um’s magische Denken kreiste und dazu gedacht war zu verdeutlichen, dass auch gesunde Menschen manchmal Verhaltensweisen und Unbehagen bei diesem Thema haben.

Für mich stellte das Ganze allerdings eine unerwartete Konfrontationsübung dar, da es zufällig um einen meiner quälensten Zwangsgedanken ging. Kurz nachdem der Therapeut die Übung erklärt hat, spürte ich Angst in mir aufkommen und immer mächtiger werden. Ziemlich schnell sagte ich, dass ich die Aufgabe nicht mitmachen würde – und versank im Gefühlssturm in meinem Inneren aus Angst, Scham und Schuldgefühlen. Irgendwann hieß es dann Wasser Marsch.

Na super – jetzt weinst du auch noch vor der Gruppe!

Du bist ein Freak. Keiner der anderen stellt sich so an.

Mein Impuls war, aufzuspringen und den Raum zu verlassen. Aber ich blieb sitzen und hielt tatsächlich bis zum Ende der Stunde durch. Darauf bin ich etwas stolz.

Die nächsten 5, 6 Stunden versuchte ich, mich runterzuregulieren. Was aber nur bedingt klappte. Schreiben mit einer lieben Freundin, Mandalas Ausmalen, mich in die Ruhe meines Zimmers zurückziehen, Imaginationsübungen, für mich analysieren, welche alten Muster hinter diesen heftigen Gefühlen stecken könnten – all diese Dingen halfen, aber eben nur langsam. Meine Gefühle erschienen mir so mächtig, dass ich meinte, darin zu ertrinken. Es fühlte sich an wie totaler Kontrollverlust. Und.ich.hasse.Kontrollverlust.und.Oh-machtsgefühle.

Gerne hätte ich mit meiner Einzeltherapeutin gesprochen, aber sie war an diesem Tag nicht im Haus. Zu einem der anderen Therapeuten oder der Bezugspflege traute ich mich nicht, da ich sie noch nicht so gut kenne (Hallo soziale Ängste …). Ich überlegte, ob ich mir mein Bedarfsmedikament holen sollte, aber auch das setzte etwas voraus, was mir noch schwer fällt: zum medizinischen Stützpunkt gehen und mein Anliegen erklären. Ich hatte Angst, mich vielleicht rechtfertigen zu müssen oder ein „Nein“ zu hören zu bekommen. Außerdem grübelte ich darüber, ob das nicht Vermeidungsverhalten wäre: ein Medikament nehmen und damit die unliebsamen Gefühle wegdrücken, wo ich doch lernen wollte und sollte, sie zuzulassen. Aber andererseits: Wäre es nicht vernünftig, die hohe innere Anspannung mit Hilfe des Medis zu beenden, um mich dadurch regenerieren und neue Kraft tanken zu können? (Grübelte sie mal wieder ohne klares Ergebnis.) Irgendwann schloss ich dann mit mir selbst den Deal, noch ein paar Stunden abzuwarten. Sollten Angst und Co. bis dahin nicht besser sein, wollte ich aller Angst zum Trotz zur MZ marschieren und mir Bedarf holen.

Aber das war gar nicht nötig. Denn irgendwann war sie vorbei, die Emotionswelle. Was am Ende dazu beigetragen hat, kann ich gar nicht so wirklich sagen. Vielleicht konnte es erst besser werden, als ich aufgehört habe, mir selbst Druck zu machen?

Diese schrecklichen Gefühle sollen jetzt sofort aufhören!“

Oder lag es eher daran, dass ich aufgehört habe, zu katastrophisieren?

Ich halte diese Gefühle nicht aus! Es fühlt sich so an, als würde es niemals enden!“

An den verschiedenen Skills?

Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem … Heute schaffte ich es jedenfalls, meine Scham und mein Leistungsdenken sowie die ewige Vergleicherei zu überwinden.

Du solltest das inzwischen allein ohne Hilfe schaffen! Wenn du deine Therapeutin fragst, bist du schwach oder nervst sie!

Anderen hier geht es schlechter, sie haben viel mehr Recht als du auf Hilfe!

Ergebnis: ein sehr gutes Gespräch mit ihr, das mir geholfen hat, die Situation besser zu verstehen und mir Handlungsmöglichkeiten für ähnliche Situationen in der Zukunft aufzuzeigen. Plus: Nelia führt jetzt eine Woche Anspannungsprotokolle aus und lernt das Skillen 😙

Advertisements

Die ersten Tage

Allen, die Ostern feiern, wünsche ich schöne Feiertage, allen anderen ein paar erholsame freie Tage!

Heute ist mein vierter Kliniktag und da ihr mir so viele gute Wünsche mit auf den Weg gegeben habt, dachte ich, ich revanchiere mich mit einem kleinen Bericht 😉

Der erste Tag verlief ganz ähnlich, wie ich es schon von meinen vorherigen beiden statiönaren Aufenthalten kenne: mit viel Aufregung und Nervosität, einem vollen Plan und zum Glück freundlichen Klinikmitarbeitern und hilfsbereiten Mitpatienten.

Als Erstes lernte ich die für mich zuständige Therapeutin kennen. Sie begrüßte mich gleich sehr nett. Dadurch und durch ihre empathische Art, Fragen zu stellen und Feststellungen zu machen, die ziemlich ins Schwarze trafen, schaffte sie es, dass ich mich schnell angenommen und gut aufgehoben fuhlte. Ich kann mir gut vorstellen, mit ihr im Laufe der Zeit Expositionsübungen zu machen und mich auch an für mich harte andere Themen ranzutrauen. Sie möchte mit mir neben der zwangsspezifischen Therapie auch an die bisherige schematherapeutische Arbeit mit meiner ambulanten Therapeutin anknüpfen. Was ich sehr, sehr gut finde, denn die Schematherapie bringt mir viel. Wir sprachen auch kurz über meine anderen Diagnosen. Sie stellte eine davon in Frage und meinte, eine andere würde meine Probleme ihrer Ansicht nach besser erklären. Damit hatte ich dann erstmal etwas zum Grübeln … Mal schauen, was die Testdiagnostik nächste Woche dazu ergibt. Danach ging es weiter zum EKG und Co. und dann zu den Ärzten.

Die Oberärztin verdeutlichte mir im Aufnahmegespräch, dass Zwänge immer eine Funktion im Leben des Betroffenen erfüllen. So ähnlich hatte das auch davor schon meine Therapeutin erklärt. Es ginge dann darum herauszufinden, was diese Funktion ist und umzulernen. Denn mit den Jahren hätte sich das Zwangsverhalten verselbständigt, sodass man als Zwangserkrankte(r) immer häufiger darauf zurückgreift, um z.B. Stresssituationen zu bewältigen oder unangenehme Gefühle zu verdrängen.

Ich kann mich in diesem Erklärungsansatz sehr wiederfinden (vor einigen Jahren sah das noch ganz anders aus …) und denke, ich werde damit definitiv weiterkommen auf meinem Weg Richtung gesund/gesünder werden. Auch bzw. gerade weil manche Themen, die damit zusammenhängen, mich seit Jahren belasten und ich gerne vermeide, darüber zu sprechen. Die Ärztin schlug auch vor, den Wirkstoffspiegel meines Antidepressivums im Blut zu bestimmen. Das hat in all den Jahren noch nie ein Psychiater vorgeschlagen – was ich beim genauer darüber Nachdenken recht traurig finde. Also keine Überraschung, dass ich den Vorschlag gerne annehme.

Nach der körperlichen Untersuchung bei einer anderen Ärztin zog ich weiter zum Mittagessen und dann zum Kennenlerngespräch mit dem Co-Therapeuten, der ebenfalls einen netten Eindruck machte, und bezog schließlich mein Zimmer. Obwohl ich als Kassenpatientin eigentlich in einem Zweitbettzimmer gelandet wäre, habe ich wegen Zimmermangel das Glück vorerst ein Einzelzimmer zu bekommen. Mit Badewanne sogar, yeah. Nach einer Pause lernte ich dann noch meinen Paten kennen (ein Mitpatient der eigenen Station, der/die schon länger da ist und Neuen alles Wichtige zeigt und erklärt). Ich bekam meinen Therapieplan und fiel am Abend wie ein Stein ins Bett.

Karfreitag war wegen des Feiertags therapiefrei. U.a. durch die fehlende Beschäftigung und Ablenkung, aber auch wegen meiner Aufregung und Anspannung durch die vielen fremden Menschen um mich herum, kämpfe ich im Moment vermehrt mit Angst und Zwangsgedanken. Länger allein zu sein fällt mir noch öfters schwer, denn dann kommen gerne mal Gedanken, Gefühle und Erinnerungen hoch, die ich im Alltag wegschiebe. Also, ihr seht – an Themen für die Therapie mangelt es nicht 🙄

Samstags gibt es hier Therapien, anders als in der Klinik, in der ich damals war. Finde ich persönlich super, denn das Wochenende ist ansonsten doch recht lang für Patienten, die nicht hier aus der Gegend kommen und deswegen nicht jedes WE zum Belastungsurlaub nach Hause fahren können oder Besuch bekommen. Durch die Therapien konnte ich auch die ersten Kontakte zu Mitpatienten knüpfen. Seitdem fühle ich mich deutlich wohler und weniger verloren. Dazu tragen aber auch meine Freunde und meine Familie bei, die mich via WhatsApp und Telefonaten aus der Ferne unterstützen. An die von ihnen, die hier mitlesen: ein großes Danke an euch!

Ich könnte noch mehr schreiben – darüber, wie es sich anfühlt, endlich einmal von so vielen anderen Menschen mit Zwangserkrankung umgeben zu sein und dass ich mich dadurch weniger wie ein Freak fühle als sonst, über das gemeinsame Lachen oder die Schönheit der Natur hier. Darüber, dass ich laut Aufnahmegespräch aktuell keine bzw. wenn, dann nur eine leichte depressive Episode mehr habe und was das für mich bedeutet. Aber das bewahre ich mir besser für später auf und wünsche euch einfach nur noch einen schönen Ostersonntag 😉😊

Eure Fragen (1) #Zwangserkrankung

Hallo zusammen,

ich habe mich entschieden, nun doch mehrere statt einen Post zu euren Fragen zu machen, da ich denke, so euren spannenden Fragen besser gerecht werden zu können.

Los geht es mit der Frage von Maskenspiel:

„Mich würde interessieren, was dir bisher am meisten genutzt hat und ob du schon mal ein pflanzliches Medikament ausprobiert hast?“

Oh, dazu könnte ich jetzt viel schreiben 😉 Ich versuche, den Schreibdrang zu zügeln und im Folgenden die Punkte aufzuzählen, die mir am meisten im Umgang mit meiner Zwangserkrankung geholfen haben. (Die Reihenfolge hat keine Bedeutung):

  • Mir Wissen über die Erkrankung aneignen

Damit gemeint ist alles, was ich im Laufe der Jahre von meinen Behandlern gelernt habe, mir durch die Beschäftigung mit Ratgebern und Fachliteratur angelesen habe usw.

Selbst die angsteinflössensten Zwangsgedanken verlieren meiner Erfahrung nach nämlich einen Teil ihrer Macht über einen, wenn man sich klar macht, was sie sind: das Symptom einer Erkrankung, nicht mehr und nicht weniger. Eine Zwangsstörung ist eine Krankheit, für die man als Betroffener genau so wenig etwas kann wie z.B. für Asthma!

Zu wissen, wie diese Erkrankung „funktioniert“, was typische Symptome sind und Begleiterscheinungen, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und vieles mehr hilft mir, im Alltag besser zurecht zu kommen und bestimmte Gefühle und Gedanken einordnen zu können. Bei Gesprächen mit Ärzten und Therapeuten kann ich dadurch zielgerichteter nachfragen und darauf achten, dass ich eine gute, adäquate Behandlung bekomme.

 

  • Austausch mit Leidensgenossen

Als Zwangserkrankte hatte ich im Rahmen meiner (teil-)statiönaren Behandlung manchmal das Gefühl, ein Kuriosum zu sein. Viele Mitpatienten hatten Depressionen oder eine Angsterkrankung, aber andere Zwängler? Wo steck(t)en die alle, wo doch schätzungsweise 2-3 Prozent der Bevölkerung betroffen sein sollen? Um so mehr freu(t)e ich mich, wenn ich dann doch mal auf Leidensgenossen traf/treffe. Damit möchte ich auf keinen Fall sagen, dass die Mitpatienten mit anderen Diagnosen unfreundlich gewesen wären, oder kein Verständnis für mich gehabt hätten! Eher im Gegenteil.

Aber manche Symptome oder Erfahrungen können Nicht-Betroffene einfach nicht nachempfinden, genau so, wie ich z.B. nicht weiß, wie sich PTBS-Symptome anfühlen oder eine Psychose. Ein anderer Zwangserkrankter versteht dagegen meistens genau, wie sich beispielsweise der innere Druck zum Ausüben einer Zwangshandlung anfühlt, egal, ob es bei ihm jetzt Waschzwänge sind und bei mir Wiederholungszwänge. Dieses Verständnis, das keine langen Erklärungen voraussetzt, tut manchmal einfach nur gut. Gerade in Bezug auf Zwangsgedanken, für die die Scham zumindest bei mir höher ist als für viele andere Symptome.

Einen möglichen Austauschpartner habe ich allerdings sogar in ziemlicher Nähe: Eines meiner Elternteile hat nämlich auch eine Zwangserkrankung. Dieser Austausch hat mir gerade in der Anfangszeit nach der Diagnose viel Mut gemacht. Motto: „Wenn mein(e) Vater/Mutter damit leben kann, schaffe ich das auch!“

 

  • Mir professionelle Hilfe holen. Wichtig: die Helfer sollten Erfahrungen mit Zwangserkrankungen haben!

Laut Studien vergehen im Schnitt um die 7 Jahre, bis Zwangserkrankte das erste Mal professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, weil die Scham für die Zwänge oft sehr hoch ist.

In meinem Fall kommt die Statistik hin: Erste Zwangssymptome hatte ich mit 13, 14 Jahren, den ersten Facharztkontakt plus Diagnose mit 20. Noch mal ein paar Jahre vergingen bis zur ersten stationären Behandlung, die zu meinem Glück auf Zwangserkrankungen zugeschnitten war. Danach begann dann die ambulante Therapie, die bis jetzt andauert.

Meine Empfehlung nach der ganzen Chose: Wenn ihr den Verdacht habt, unter einer Zwangsstörung zu leiden, sucht euch möglichst zeitnah Hilfe! Von allein wird die Krankheit leider in der Regel nicht verschwinden. Stattdessen steigt das Risiko für eine Chronifizierung. Denn je länger man damit wartet, etwas zu unternehmen, um so mehr hat der Zwang Zeit, sich festzusetzen und sich auf immer mehr Lebensbereiche auszubreiten. Ich erinnere mich z.B., dass ich zu Beginn als Teenager nur ein bis zwei Zwänge hatte, einige Jahre später hingegen schon deutlich mehr. Nicht spaßig.

Ich finde es auch wichtig, Therapeuten oder Ärzte zu haben, die Erfahrungen in der Behandlung von Zwangsstörungen aufweisen können. Bei Fachleuten, die diese Erfahrung nicht hatten, fehlte meinem Eindruck nach manchmal an Verständnis für bestimmte Problematiken. Das bewirkte dann widerum Frustration bei mir. Darum bin ich auch sehr froh und dankbar, mit meinem jetzigen Psychiater einen Arzt zu haben, der sich gut in der Materie auskennt und von dem ich mich immer ernst genommen und unterstützt fühle.

Zum Punkt „sich professionelle Hilfe holen“ zählt natürlich auch Therapie. Da ich dazu aber sehr viel schreiben könnte, möchte ich der Übersichtlichkeit halber lieber einen extra Post dafür aufmachen. Das passt dann auch zu der Frage von Ut 😊  In diesem Post werde ich euch dann von (zwangsspezifischen) Therapieansätzen erzählen, die mir geholfen haben, z.B. Expositionsübungen.

 

  • Medikamente

Zu diesem Aspekt findet man viele verschiedene Meinungen und Erfahrungen unter Betroffenen. Ich möchte an dieser Stelle nur meine Erfahrungen schildern, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Das gilt eigentlich für alle Punkte hier – aber ich dachte mir, ich betone es bei dem teils doch heiklen Thema Psychopharmaka noch mal lieber extra 😉

Ich nehme seit der Diagnosestellung ein Antidepressivum aus der Wirkstoffgruppe der SSRI. Zum Einen als Rückfallprophylaxe wegen rezidivierender schwerer depressiver Episoden in der Vergangenheit und dann eben wegen der Zwangsstörung.

(Vielleicht hilft es in diesem Zusammenhang zu wissen, dass ich mehr unter den Zwangsgedanken als unter den Zwangshandlungen leide und dass mehrere meiner Zwangsgedanken um magisches Denken kreisen. In solchen Fällen empfehlen die S3-Leitlinien eine Kombinationstherapie aus Medikament und kognitiver Verhaltenstherapie. Bei anderen Ausprägungen der Erkrankung klappt es mitunter auch ohne medikamentöse Unterstützung! Aber die Frage, ob Medikament ja/nein ist wirklich höchst individuell.)

Ich habe inzwischen mehrere Umstellungen von einem SSRI auf ein anderes gehabt, auch einen Absetzversuch in Eigenregie gegen ärztlichen Rat *hust, war eine dumme Idee*

Meine Erfahrung ist: Das Medikament hilft mir. Es dämpft die Intensität der Zwangsgedanken herunter auf ein Level, das besser auszuhalten ist für mich und mit dem ich, in der Kombination mit Therapie und Selbsthilfe, im Alltag im Großen und Ganzen gut zurecht komme. Bestimmte meiner Zwangsgedanken verursachen nun in der Regel auch kein suizidales Empfinden mehr, wie es in der Zeit kurz vor und nach der Diagnosestellung noch der Fall war.  In diesen be** Zustand von damals möchte ich möglichst nie wieder geraten. Deswegen werde ich auch weiter mein Antidepressivum nehmen, bis mein Arzt und ich irgendwann hoffentlich gemeinsam zu der Entscheidung kommen, dass ich durch Therapie und Co. stabil genug bin, um einen Absetzversuch zu starten.

Neben meinem Antidepressivum habe ich keine andere feste Medikation (es sei denn, man zählt die Eisen- und Schilddrüsentablette mit 😉). Mein Bedarfsmedikament versuche ich, so wenig wie möglich einzusetzen.

Mit pflanzlichen Medikamenten habe ich, bis auf Rescuetropfen, die mir damals nichts gebracht haben, keine Erfahrung. Gerne greife ich aber bei innerer Unruhe am späten Abend auf pflanzliche Schlaftees zurück, z.B. mit Lavendel.

 

  • Komorbide Erkrankungen erkennen und behandeln

Viele Betroffene leiden nicht „nur“ unter einer Zwangsstörung, sondern auch unter einer weiteren oder mehreren anderen psychischen Erkrankungen. Es ist wichtig, dass diese erkannt und ebenfalls behandelt werden, denn ansonsten wird es schwer sein, den Gesamtzustand zu verbessern.

Ein Beispiel:  Hat jemand neben einer Zwangserkrankung auch eine Depression, macht es mitunter Sinn, erst bzw. vorrangig die Depression zu behandeln. Denn wer gerade in einer schweren depressiven Episode steckt, wird kaum die Kraft haben, sich anstrengenden Expositionsübungen etc. zu stellen …

Bei mir ist es z.B. so, dass Depression, Angsterkrankung und Zwangsstörung sich gegenseitig  verstärken können. Darum ist es wichtig für mich, dass in der Therapie nicht nur stur an der Zwangsstörung oder der Depression gearbeitet wird, sondern eben jede Baustelle ggf. Raum bekommt und ich Umgangsstrategien damit erlerne.

 

So, und damit schließe ich den ersten Beitrag der Reihe. Ich bedanke mich nochmals herzlich für eure Fragen! Im nächsten Post wird es dann wie gesagt spezifisch um die Therapie gehen 😊