Schwermütig

Innerlich trauere ich manchmal um das Mädchen, für das sich Leben einst so leicht angefühlt hat, das wenig Angst hatte vor der Zukunft.

Es wusste nichts von F-Diagnosen und finanziellen Sorgen, dem Schmerz durch ein narzisstisches Elternteil, das nicht aus seinen Fehlern lernt und dem Mädchen und seinen Geschwistern damit immer wieder weh tut. Es wusste auch nichts von Eheproblemen, beeinträchtigter Studierfähigkeit und der großen Scham, aus der Norm zu fallen mit seiner langen Studiumsdauer. Seine Welt war ziemlich farbenfroh und heil. Den Großteil der Zeit über war das Mädchen lebensfroh, neugierig und kreativ. Es fühlte sich geborgen in seiner Familie und spielte gerne mit seinen Freunden, aber auch allein, war begabt im sprachlichen Bereich und zwar ängstlicher und sensibler als andere Kinder, aber nicht so sehr wie heute. Darüber, was andere von ihm denken mochten, machte es sich wenig Gedanken.

So ging es bis zum ersten Einbruch, der Trennung der Eltern, der die heile kleine Kinderwelt erschütterte. Doch das Leben ging auch danach irgendwie weiter, so wie es immer weitergeht. Es gab gute Momente und schwierigere und neue Einbrüche und neue Glücksmomente.

Inzwischen ist das Mädchen eine Erwachsene, die sich nur noch selten leicht und unbeschwert fühlt und so gerne wieder mehr wie ihr altes, gesundes Ich wäre, aber es irgendwie nicht auf die Reihe bekommt.