Was ist eigentlich Metakognitives Training?

Mit diesem Post geht eine neue kleine Postreihe an den Start, in der ich euch gerne zentrale Begriffe und Methoden aus der Therapie von Zwangsstörungen vorstellen möchte.

Den Beginn macht das Metakognitive Training (kurz MKT).

A) Was versteht man darunter?

Metakognition bedeutet Denken über das Denken. Beim Metakognitiven Training handelt es sich um einen Therapieansatz, der zur kognitiven Verhaltenstherapie gehört und inzwischen in der Behandlung verschiedener Krankheitsbilder Anwendung findet, z.B. bei Depressionen, Psychosen, Borderline und eben Zwangsstörungen.

Die Intention des MKT ist, dysfunktionale (d.h. nicht hilfreiche, sondern Probleme erzeugende) innere Überzeugungen und Gedanken aufzudecken, die typisch für Menschen mit der jeweiligen psychischen Erkrankung sind und dann daran zu arbeiten, sie durch gesündere zu ersetzen.

Typisch für viele Betroffene von Zwangserkrankungen ist zum Beispiel die Angst davor, Gedanken könnten die Wirklichkeit beeinflussen. Rein rational weiss man natürlich, dass das nicht so ist. Trotzdem fürchten einige Zwangserkrankte beispielsweise, ein Angehöriger könnte verunglücken, nur weil sie daran gedacht haben, die betreffende Person könnte auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall haben. Diese Gedanken erzeugen dann Angst und oft auch Schuldgefühle, die der/die Erkrankte dann in der Regel mit äußerlich sichtbaren oder mentalen Zwangshandlungen (z.B. Dinge ordnen oder „guten“ Gegengedanken) zu reduzieren versucht.

Ein anderes Beispiel könnte die falsche Einschätzung der Wahrscheinlichkeit sein, sich beim Fahren mit der U-Bahn mit einer gefährlichen Erkrankung zu infizieren. Menschen mit Waschzwängen sehen hier oft ein hohes Risiko, das so gar nicht gegeben ist und reagieren auf ihre innere Überzeugung, indem sie z.B. U-Bahn-Fahrten vermeiden und/oder sich nach Aufenthalt dort zwanghaft oft die Hände waschen.

Der Psychologe Christian Rupp und seine Kollegin Charlotte Jürgens setzen sich in ihrem Promotionsprojekt mit dem Thema Metakognition bei Zwangsstörungen auseinander. Herr Rupp hat dazu ein Radio-Interview gegeben. Wenn ihr mögt, hört doch mal rein: Interview.

Die Arbeitsgruppe Klinische Neuropsychologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf beschäftigt sich seit 2003 mit Metakognition. Einen interessanten Überblick über einige der Forschungsergebnisse und kostenloses Downloadmaterial für Fachleute, das aber m.M.n. auch gut für Betroffene zur Selbsthilfe geeignet ist, bietet die Homepage der Klinik.

B) Wie kann Metakognitives Training ablaufen?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei der stationären Therapie, an der ich damals teilgenommen habe, war es z.B. so, dass wir uns ein Mal die Woche dazu in einer Gruppe getroffen haben, die von einer Psychologin betreut wurde. In diesem Rahmen wurden dann verschiedene zwangstypische Denkverzerrungen diskutiert, es gab Arbeitsblätter, Hausaufgaben und praktische Übungen dazu.

Man findet auch Selbsthilfeliteratur, die metakognitive Ansätze aufgreift und mit der man dann allein oder begleitend zu einer ambulanten Therapie üben kann. Ich arbeite z.B. mit diesem Buch hier, das wir damals auch in der Klinik benutzt haben. Es basiert auf den Forschungsergebnissen der oben genannten Arbeitsgruppe aus Hamburg-Eppendorf: Erfolgreich gegen Zwangsstörungen.

Natürlich kann der Therapeut auch Elemente des MKT in die ambulante Psychotherapie einfließen lassen. Ihr seht, es gibt also viele Möglichkeiten.

Persönlich habe ich gute Erfahrungen mit dem MKT gemacht, gerade in der Behandlung in Gruppenform, weil man so feststellen kann, dass vieles, was man für eigene Schwächen und absonderliche Marotten hielt, in Wahrheit doch der Zwangsstörung geschuldet ist. Man merkt, dass man nicht allein mit seinen Problemen dasteht und es viele Möglichkeiten gibt, daran zu arbeiten!