Scham, immer noch

Und da war sie wieder, die Scham, als ich bei meinem Hausarzt anrief, um die jedes Quartal notwendige Überweisung für die PIA (psychiatrische Institutsambulanz) zu besorgen. Hätte ich um eine Überweisung zum Kardiologen oder einem anderen Facharzt gebeten, ich hätte diese Scham nicht gespürt, das weiß ich. Meine chronische Schilddrüsenerkrankung ist mir ebenfalls nicht peinlich, nur meine F-Diagnosen.

Da schreibst du einen Blog u.a. in der Absicht, gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen anzugehen – und schämst dich dann selbst (immer noch) dafür, psychisch krank zu sein. Finde den Fehler.

Advertisements

Mystery Blogger Award (Vol. 2, 3 & 4)

mystery-blogger-award-logo

Artdiscard von Graubunt, Alex von Creating Wonderland und Jennifer Lovegood von PseudoKunst haben mich für den Mystery Blogger Award nominiert. Vielen Dank, ich freue mich sehr über jede einzelne Nominierung! 🙂

Damit es nicht so viele Posts werden, habe ich mich entschieden, meine Antworten zu den einzelnen Nominierungen in einen Beitrag zu packen.

Die Idee für den Mystery Blogger Award stammt von Okoto Enigma. Er wurde von ihr kreiert in der Absicht, auf bisher noch weniger bekannte Blogs aufmerksam zu machen und Blogger auf spaßhafte Weise miteinander zu vernetzen.

Die Regeln:

  • Stelle das Logo in dein Blog.
  • Liste die Regeln auf.
  • Danke der Person, die dich nominiert hat, und füge einen Link zu ihrem Blog bei.
  • Nenne die Urheberin des Awards und füge ebenfalls einen Link bei.
  • Erzähle den Lesern drei Dinge über dich.
  • Nominiere 10 bis 20 Personen.
  • Informiere die Nominierten, indem du in ihrem Blog kommentierst.
  • Stelle den Nominierten fünf Fragen deiner Wahl; eine davon sollte seltsam oder lustig sein.
  • Teile einen Link zu deinen besten Posts.

3 Dinge über mich

  • Meine beste Freundin und ich sind inzwischen seit über 15 Jahren befreundet. Obwohl wir uns wegen der räumlichen Entfernung und diversen Verpflichtungen inzwischen leider nur noch alle paar Monate sehen können, ist sie einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben.
  • Seit meiner Kindheit liebe ich Märchen. Als Kind hatte ich eine riesen Sammlung an Märchenbüchern, habe die Disneyverfilmungen und diejenigen mit Schauspielern rauf- und runtergeschaut und mir in der Grundschulzeit selbst ein Märchen ausgedacht, das ich dann zu einem „Buch“ verarbeitet habe ;-). Auch jetzt bin ich noch Märchenfan.
  • Mit 12 habe ich mal in einer Mädchenfußballmannschaft gespielt …. Das aber nur um einer Freundin einen Gefallen zu tun, die unbedingt dorthin wollte, und ohne Talent, sodass meine Fußballerkarriere ein schnelles Ende fand. Es war für alle Beteiligten besser so *hust hust*

 

Meine Antworten auf die Fragen von Artdiscard

1.Was schmeckt Dir überhaupt nicht?

Artischocken! Bäh …

2. Wohin würdest Du gerne reisen und warum?

Ich möchte auf jeden Fall noch öfters nach Marokko, weil dieses Land es geschafft hat, mich so in seinen Bann zu schlagen wie kein anderes zuvor. Ich möchte noch so viel sehen und entdecken von der Kultur, der Natur, dem Essen …

3. Was war dein größtes Missgeschick?

Ein Missgeschick, an das ich mich noch lebhaft erinnere, war, als es mir beim Backen irgendwie gelang, meine langen Haare (die ich an diesem Tag offen trug) im Mixer zu verheddern … Zum Glück blieb das aber ohne Folgen bis auf ein paar ausgerissene Haarsträhnen. Mein Partner zieht mich heute noch mit der Geschichte auf und inzwischen kann ich auch mitlachen 😉

4. Welche Musik magst Du überhaupt nicht?

Heavy Metall ist so gar nicht meins.

5. Spielst Du ein Instrument, wenn ja welches?

Nein, leider nicht. Als Kind hatte ich Blockflötenunterricht, aber davon ist kaum noch etwas hängengeblieben.

Meine Antworten auf die Fragen von Alex:

1.Was ist eure Lieblingsjahreszeit und warum?

Der Herbst. Ich liebe seine Farbenpracht, die Kastanien und die Gemütlichkeit, die die herbstlichen Temperaturen mit sich bringen (Tee trinken, Westen und Schals wieder aus dem Kleiderschrank hervorkramen, Spiele- und Filmabende, wenn es draußen früher dunkel wird …) . Als melancholischer Mensch kann ich mich auch in der Wehmut wiederfinden, die diese Jahreszeit mit sich bringt (das Ende des Sommers und der bevorstehende kalte, farblose Winter).

2. Wenn ihr jemand anders sein könntet, wer wäre das? Bzw. würdet ihr jemand anders sein wollen?

Puh, schwierige Frage, über die ich jetzt schon länger nachgedacht habe … Eine bestimmte andere Person würde ich wohl nicht sein wollen. Ich fände es aber interessant, für einen Tag mal ein Mann zu sein (quasi ich nur in männlicher Form), um zu schauen, inwiefern das mein Erleben und meine Perspektive auf die anderen, mich und die Welt vielleicht verändern würde. Es ist ja kein Geheimnis, dass bedingt durch Erziehung, Medien usw. teils unterschiedliche Erwartungen an Männer und Frauen gestellt werden. Darum fände ich es interessant, für einen Tag mein Leben als Mann zu leben.

3. Was ist euer Lieblingsbuch momentan?

Das letzte Buch, das mich begeistert hat bzw. die letzte Buchreihe, waren die „Bloodlines„-Romane von Richelle Mead.

4. Was ist eine „Macke“ von euch?

Ich tue wahnsinnig viel Zucker und Milch in meinen Kaffee und ernte dafür immer wieder mal den ein oder anderen schrägen Blick oder Kommentar. Aber in dem Punkt gibt es keine Kompromisse: Ich trinke meinen Kaffee nur so und nicht anders 😉 Zum Ausgleich achte ich dann lieber bei anderen Lebensmitteln oder Getränken auf den Zuckergehalt.

5. Habt ihr euch schon Ideen zu Weihnachtsgeschenken gemacht?

Ja. Witzigerweise habe ich in den letzten Tagen erst mit meiner Mutter und meiner Schwester darüber gesprochen. Einige Ideen fehlen mir aber auch noch.

Meine Antworten auf die Fragen von Jennifer Lovegood:

1. Wie bist du dazu gekommen zu bloggen?

Meine Familie weiß, dass ich gerne schreibe und meinte immer wieder mal zu mir, warum ich nicht versuche, ein Buch über meine Erfahrungen mit der Depression und den Zwängen zu schreiben. Dafür fehlte mir aber der Mut und ich konnte mir auch nicht vorstellen, meine Krankheitsgeschichte unter Klarnamen zu veröffentlichen, falls sich tatsächlich ein Verlag dafür gefunden hätte.

Während meines ersten stationären Aufenthalts wuchs dann der Wunsch in mir, mich irgendwie im Bereich Aufklärung und Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen zu engagieren. Ich wollte meine Erfahrungen für etwas Sinnvolles einsetzen, all dem Schweren und Traurigem im Nachhinein eine Bedeutung verleihen über diejenige hinaus, die es für mein Leben hat. Zuerst hatte ich den Plan, in einer Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Depressionen mitzuarbeiten. Aber als ich keine Rückmeldung auf meine Anfrage bekam, fror ich diese Idee wieder ein und kam danach zum Bloggen.

2. Was ist dein größter Lebenstraum?

Der eine wäre, irgendwann eine eigene, kleine Familie zu haben und für mein Kind eine liebevolle Mutter zu sein, auf die es immer zählen kann und die ihm hilft, zu einem gesunden, selbstbewussten und glücklichen Erwachsenen zu werden. Der andere Traum wäre, nach Ende des Studiums eine Arbeit zu finden, die mir Spaß macht, mich intellektuell fordert und bei der das Gefühl habe, etwas Sinnvolles zu tun und auch genug verdiene, um ohne finanzielle Sorgen über die Runden zu kommen.

3. Falls du arbeitest, glaubst du deinen Traumberuf gefunden zu haben? Glaubst du, dass es das gibt? Wenn ja wieso? Wenn nein wieso?

Ich bin ja noch Studentin und habe daher bisher nur Erfahrungen mit Praktika und Nebenjobs. Früher dachte ich immer, es gibt ihn, diesen einen Traumberuf, der mich rundum erfüllt und den ich unbedingt erreichen muss, um glücklich zu werden … Heute sehe ich das etwas anders. Gerade bei uns im geisteswissenschaftlichen Bereich wird eher davon abgeraten, sich zu sehr auf ein bestimmtes Berufsbild zu versteifen, vielmehr ist eine gewisse Flexibilität gefragt und hilfreich bei der Jobsuche. Denn mit Ende meines Studiums erreiche ich ja nicht automatisch einen bestimmten Beruf, so wie Lehramtsstudenten in der Regel Lehrer werden oder Medizinstudenten Ärzte. Ich habe schon bestimmte Interessenfelder, die mich stark interessieren und in denen ich später am liebsten tätig werden würde. Um aber flexibler zu bleiben, was meine Möglichkeiten angeht, und um mir vielleicht Enttäuschungen zu ersparen, habe ich mich gedanklich von dem Konzept von dem einen Traumjob mehr oder weniger verabschiedet.

4. Glaubst du an eine „höhere Macht“? Falls nein wieso? Falls ja wieso und an wen?

Nach einer längeren atheistischen Phase als Jugendliche kann ich jetzt wieder sagen, ja, ich glaube an eine „höhere Macht“ bzw. an Gott. Was aber nicht heißt, dass ich nicht gerade in Krisen auch wieder daran zweifle und hadere …

5. Gibt es etwas, das du bereust?

Mehreres, einiges mehr, anderes weniger. Aber ich denke, das gehört zum Leben dazu und dass wohl jeder Mensch etwas hat, was er/sie im Nachhinein gerne anders gehandhabt hätte. Was ich wirklich bereue, ist, dass ich meinen Großeltern damals, als sie so krank wurden, aus Angst und Überforderung  nicht gesagt habe, wie lieb ich sie habe und wie dankbar ich ihnen für alles bin, was sie für mich getan haben, bevor sie gestorben sind. Wäre es möglich, ich würde so gerne noch einmal mit ihnen reden.

Wen ich nominiere:

Ich hoffe, es ist okay, wenn ich dieses Mal niemanden nominiere, da der Award inzwischen schon auf vielen Blogs Station gemacht hat und ich ehrlich gesagt den Überblick verloren habe, wer schon nominiert war bzw. wie oft 🙂

Wen jemand aber trotzdem Lust hat, mitzumachen, würde ich mich freuen, wenn ihr meine Fragen auf eurem Blog oder hier im Kommentarteil beantwortet:

  1. Gibt es eine Sportart, die du schon länger ausprobieren wolltest, dich aber bisher noch nicht getraut hast?
  2. Was ist deine Lieblingsteesorte?
  3. Wenn du in einer führenden politischen Position wärest, wofür würdest du dich einsetzen?
  4. Was ist dein Lieblingsfilm?
  5. Was war bisher dein schönstes Erlebnis in diesem Jahr?

Meine besten Posts (dieses Mal vor allem ältere Posts, die mir am Herzen liegen):

Neulich in der U-Bahn

Ich sitze in der U-Bahn, in Gedanken versunken, als plötzlich jemand von den  zugestiegenen Fahrgästen vor mir stehen bleibt. Ich schrecke auf,  brauche einen Moment, bis ich die Person erkenne, dann stiehlt sich automatisch ein Lächeln in mein Gesicht. Eine ehemalige Mitpatientin aus der Klinik. Sie ist in die gleiche Richtung unterwegs wie ich, sodass wir ein paar Haltestellen zusammen fahren können. Ich freue mich über die unverhoffte Begegnung, denn wir hatten immer einen guten Draht zu einander. Automatisch ist es wieder da, dieses Verbundenheitsgefühl von damals: Wir haben einander in tiefen Krisenmomenten erlebt, haben in der Sportgruppe zusammen geschwitzt, in vielen Momenten beim Essen unsere Lebensgeschichten und Erfahrungen ausgetauscht, zusammen gelacht, als es wenig zu lachen gab und uns beim gesünder Werden gegenseitig ermutigt. Das schweißt zusammen. In der begrenzten Zeit versuchen wir einander auf den aktuellen Stand zu bringen.Wie geht es ihr? Wie geht es mir? Wie den anderen, mit denen wir damals zusammen waren, wer hat noch Kontakt zu wem? Ich überlege, was ich von mir preis geben soll, schließlich sind wir in der U-Bahn, es sind einige Menschen um uns herum. Früher hätte ich in solchen Situationen aus Scham geschwiegen, jetzt möchte ich das nicht mehr. Ich erzähle, dass ich einen ambulanten Therapieplatz gefunden habe und gerade auf dem Weg zu meiner Therapeutin bin. Eine Gruppe junger Leute, geschätzt nicht so viele  Jahre jünger als ich, Typ Megacool, wenige Sitzreihe weiter, hat uns zugehört. Sie fangen an zu kichern, schauen mehr oder weniger offen zu uns herüber, kichern weiter, schauen wieder zu mir, als warten sie auf eine Reaktion. Da ist er, ein kleiner Stich in meinem Inneren. Es erinnert mich an die ein, zwei Jahre  Mobbing früher in der Schule. Ausgeschlossen und abgelehnt zu werden, weil ich anders war als die anderen, das tat weh, bitte nicht noch einmal, danke. Aber der andere Teil in mir ist stärker. Ich will mich nicht mehr dafür schämen müssen, psychisch krank zu sein, weder gegenüber meinem Umfeld noch Fremden. Auch nicht in der U-Bahn.