Aufgenommen

Mein zweiter Tag auf der Depressionsstation neigt sich dem Ende zu. Mein Kopf fühlt sich wie mit Watte gefüllt an, deswegen gerade nur Stichpunkte:

  • Mein Zimmer ist ein Zweierzimmer mit eigenem Bad und relativ hell. Das kenne ich auch anders und bin deswegen froh darum.
  • Meine Zimmernachbarin ist nett, wird allerdings morgen entlassen. Zu den anderen Mitpatienten hatte ich bisher wenig Kontakt #hallosozialeängste
  • Diese Woche habe ich kaum Therapieprogramm, sondern soll mich erst einmal eingewöhnen.
  • Das Personal scheint bisher freundlich und unterstützend zu sein.
  • Mein Antidepressivum wurde jetzt auf Höchstdosis gesetzt. (Bei Zwangsstörungen geht man generell höher mit der Dosis als bei Depressionen.) Jetzt heißt es Geduld haben und abwarten, ob das eine Verbesserung bringt.
  • Bisher weiß ich noch nicht, wer meine Bezugspflegekraft und mein Bezugstherapeut sind, was mich etwas unruhig macht, denn ich kenne es so, dass man das als Patient bereits am ersten Tag erfährt. Ich hoffe, das klärt sich noch vorm Wochenende.
  • Ich versuche irgendwie durch den Tag zu kommen und durchzuhalten, auch wenn mir phasenweise immer wieder nach Aufgeben ist.
  • Mein Mann hat nach Besuchszeiten gefragt, aber ich fühle mich dem momentan nicht gewachsen und habe abgeblockt.

Lichtblick in Sicht

Gestern habe ich kurz mit meiner Ärztin telefoniert. Sie war davon ausgegangen, dass mir die Klinik meines Wohnorts schneller einen passenden Platz anbieten kann als die Klinik der Ambulanzstadt, was sich dann aber im Endeffekt als genau andersherum herausstellte. Ich brachte sie also up to date.

Sie versucht jetzt, mir für Mitte nächster Woche ein Bett zu reservieren. Ich soll sie Dienstag früh anrufen, um zu erfahren, ob es geklappt hat. Wenn ja, würde ich in der Ambulanzstadt stationär behandelt werden, u.a. durch meine Ärztin. Ein vertrautes Gesicht um mich zu haben wäre für mich hilfreich in Sachen soziale Ängste und auch die kürzere Wartezeit wäre eine Erleichterung. Ich hoffe sehr, dass es klappt!

Gänseblümchen der Woche (78)

  • das Gespräch mit der Ambulanzärztin. Es tat mir so gut, einfach mal ehrlich und ohne Beschönigungen vom aktuellen Status Quo zu berichten. Plus: Als ich ihr von meinen sozialen Ängsten erzählt habe, organisierte sie es so, dass ich den nächsten Termin sicher bei ihr habe. Fand ich sehr nett. (Seit ein paar Monaten haben sie wegen Personalmangel nämlich ein Rotationssystem, sodass nicht mehr die Zuordnung ein Patient zu einem festen Arzt besteht, sondern sich ein Team aus 3-4 Behandlern einen Patienten teilt. Mit Pech landet man dann bei jedem Termin bei jemand Anderem aus dem Behandlungsteam.)
  • meine Faulheit gestern überwunden und mir ein sehr leckeres Frühstück mit Quark, Äpfeln, Vanillezucker und Zimt gemacht. Das schreit nach Wiederholung 😉
  • interessante Dokus geschaut und mit meinem Mann darüber diskutiert
  • mehr Sonnenschein die Woche über
  • ein Buch beendet, an dem ich lange gelesen habe. Obwohl es nicht schlecht war, hatte mich die Motivation beim Lesen zwischenzeitlich doch irgendwie verlassen. Deswegen bin ich froh, die Leseflaute jetzt überwunden zu haben und wieder in Lesestimmung zu sein.
  • einen spannenden neuen Krimipodcast entdeckt

Mehr zu den Gänseblümchen findet ihr bei Annie von Hoffnungsschein. Wer mag, kann sich gerne jederzeit anschließen.