Unerwartet

Ich hatte nicht damit gerechnet, das neue Jahr mit einer depressiven Episode zu starten. Schon gar nicht mit einer schweren, in Verbindung mit einem ekelhaften Ausmaß an Zwangsgedanken und Panikattacken.

Noch vor rund anderthalb Wochen konnte ich mir nicht vorstellen, wie ich die Dunkelheit dieses Mal überwinden sollte, zu absolut und endgültig fühlte sich alles an. Hört sich melodramatisch an, aber so empfand ich es phasenweise.

Doch irgendwann begannen die Gegenstrategien und Hilfsmaßnahmen zu greifen und so kämpfe ich mich aktuell weiter aus dem Loch, das versucht hat mich zu verschlingen und das ich verdammt noch mal nicht gewinnen lassen will.

Licht

Der Wind pfeifft durch die Klinikflure, während draußen der Regen vom tristen, grauen Himmel fällt. Auf der Fensterbank bei der Sitznische leuchtet die vergessene Weihnachtsdekoration, eine passende Metapher für mein momentanes Befinden. In meiner Seele heult und tobt es ebenfalls und Erinnerungen an schöne Momente und die Gedanken an geliebte Menschen und meine Zukunftspläne sind mein Licht, um nicht im Grau der Depression und Zwangsgedanken zu versinken.

Glücklich

… bin ich, dass es mit der Ausbildung weitergeht.

Vor ein paar Tagen hatte ich wieder Unterricht, zum ersten Mal nach rund vier Monaten Corona-Zwangspause und einem krankheitsbedingt verpassten Modul. Dementsprechend aufgeregt war ich. Doch gleichzeitig habe ich mich auch gefreut, endlich wieder etwas zu tun zu haben, weitervoranzukommen und meine Mitschüler wiederzusehen. Und was soll ich groß sagen: Es war gut und es tat mir gut!

Hatte ich vor gar nicht so langer Zeit noch Sorgen und Zweifel, ob ich es überhaupt schaffen kann, Genesungsbegleiterin zu sein, wo ich doch selbst unlängst wieder stationär gelandet bin, kann ich das Ganze inzwischen auch von einer anderen Seite betrachten. Einer, die nicht von der Depression dazu angetrieben wird, alles nur schwarz oder weiß zu sehen.

Ja, ich hatte eine erneute depressive Episode. ABER das bedeutet nicht automatisch, dass ich deswegen ungeeignet bin. Denn wie meinte meine Klinik-Ergotherapeutin so schön: Ich kann diese Krise und die damit einhergehende Behandlung auch als zusätzliche Erfahrung betrachten, aus der ich im Umgang mit späteren Klienten schöpfen kann. Als etwas, das mir hilft, mich noch mehr in die Gefühlswelt und Bedürfnisse der Menschen hineinzuversetzen, mit denen ich irgendwann in Zukunft hoffentlich arbeiten werde.Und wie unsere Ausbildungsleiterin immer sagt: Niemand ist vor Krisen gefeilt, auch nicht (fertig ausgebildete) Genesungsbegleiter.

Ich muss zugeben, als ich noch mitten in der Depression steckte, fiel es mir schwer, diesen Perspektivwechsel einzunehmen. Nun ist das zum Glück anders und ich freue mich wieder auf die restlichen Module und alles Andere.