Wintersemester, ich komme!

Über zwei Jahre habe ich jetzt mit der Uni ausgesetzt. Zunächst, weil finanzielle Gründe es mir unmöglich machten, mein Studium in Vollzeit fortzusetzen, dann auch aus privaten und gesundheitlichen Gründen.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich in dieser Zeitspanne nicht über eine Exmatrikulation nachgedacht hätte. Mein Bachelorstudium hat krankheitsbedingt länger gedauert als die Regelstudienzeit und irgendwann zeichnete sich ab, dass es im Master ähnlich laufen würde. Und das nagt(e) sehr an meinem Selbstbewusstsein. Wollte ich weiterstudieren, müsste ich mich (wieder) meinem ungesunden Perfektionismus und dem selbgemachten Leistungsdruck mit daraus resultierenden Prüfungsängsten stellen. Eine Mammutaufgabe.

Dem gegenüber klang ein Studiumsabbruch für mich öfters wie die gesündere Alternative. Eine, die meinem Seelenfrieden eher zuträglich ist.

Andererseits war mir aber auch klar, dass es mich wahrscheinlich lange innerlich verfolgen würde, wenn ich abbreche. Denn ich habe gerne studiert, war eine gute Studentin und habe extra Studienkredite aufgenommen, um studieren zu können. Und das soll nun alles umsonst gewesen sein?! Lange war es mein Traum, später an der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu arbeiten.

Und nun?

Den Plan, ausschließlich an der Uni zu arbeiten, habe ich angesichts der Arbeitsbedingungen dort irgendwann verworfen. (Ich sage nur Wissenschaftszeitvertragsgesetz und gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich Stellen mit einem Umfang, von denen es schwer ist eine Familie zu ernähren. Und inzwischen habe ich ja auch mit der Genesungsbegleitung einen neuen Bereich entdeckt, der mir Spaß macht und mir am Herzen liegt. Langfristig würde ich nun gerne die Ex In-Arbeit und mein Studium miteinander verbinden. Zwischen beidem gibt es mehrere Schnittstellen, die mich interessieren, z. B. im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit oder Psychiatriegeschichte.

Deswegen möchte ich mein Studium ab dem kommenden Wintersemester in Teilzeit wieder aufnehmen und versuchen, die mir noch fehlenden Scheine für den Masterabschluss machen. Jetzt, da ich endlich finanzielle Sicherheit durch meine Stelle habe und nicht mehr Existenzängste im Nacken, wird mir das Studieren hoffentlich etwas leichter fallen, weil ein großer Stressfaktor entfällt. Und wenn es nicht klappen sollte, ist das auch okay. Ich möchte es ganz druckfrei versuchen.

Ich freue mich auf jeden Fall auf neue spannende intellektuelle Herausforderungen!

Gute Neuigkeiten

Nachdem ihr mich treu durch die Tiefs der letzten Zeit begleitet habt, dachte ich, ich möchte euch auch an den positiven Neuigkeiten teilhaben lassen 🙂

Vielleicht zeigt dieser Beitrag auch, dass selbst in einer akuten Depression nicht zwangsläufig immer alles düster ausschauen muss, sondern es auch positive, gar glückliche Momente geben kann.

Also, here we go:

Ich habe mich vor kurzem für die Ausbildung als EX-IN-Genesungsbegleiterin beworben und bereits nach wenigen Tagen eine nette Mail über den Eingang meiner Bewerbung erhalten. Wenn alles gut geht, werde ich irgendwann im April bei den Vorstellungsgesprächen dabei sein. Ich hoffe sehr, dass es klappt!

Seit ich das erste Mal von dem Projekt gehört habe, war ein Teil von mir Feuer und Flamme und hätte sich gerne direkt beworben. Denn die Ausbildung und die späteren beruflichen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben können, vereinen mehrere Aspekte, die mir am Herzen liegen und die ich mir für meinen potentiellen Job wünschen würde:

– die direkte Arbeit mit Menschen

– das Gefühl, mit meiner Arbeit etwas wirklich Sinnvolles zu tun, d.h., mich für meine Werte und Ideale einsetzen zu können (in diesem Fall die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen)

– mich nicht nur mit (Fach-)Wissen, sondern auch mit meiner Empathie einbringen zu können, um anderen Menschen zu helfen

Gleichzeitig waren da aber auch Gedanken wie:

„Das kannst du nicht machen! Konzentrier dich auf dein Studium, damit du bald endlich fertig wirst!“

„Wenn du jetzt eine Ausbildung machen willst, wozu dann das Studium und die ganzen Schulden dafür? Da hättest du dir das Studieren auch sparen können.“

„Was würden X/Y/Z (nahe Bezugspersonen) wohl dazu sagen? Bestimmt wären sie nicht begeistert …“

„Wovon willst du die Ausbildung denn bezahlen mit deinem momentanen Einkommen?!“

Und so legte ich das Thema gedanklich auf Eis. Bis meine Freundin Annie mir irgendwann erzählte, dass sie vor hat, zu einer bald stattfindenden Infoveranstaltung des Ausbildungsträgers zu gehen. Ich fragte, ob ich mich anschließen dürfe und so war es beschlossene Sache.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden dann einige Punkte, die mir vorher Kopfzerbrechen bereitet hatten, für mich klarer, z.B. die Finanzierungsfrage und spätere mögliche Arbeitsfelder. Daneben wurde mir bewusst, dass ich mich im Vorfeld mal wieder zu sehr im Schwarz-Weiß-Denken verfangen hatte. Denn die Ausbildung zu machen, muss ja nicht zwangsläufig bedeuten, das Studium sofort hinzuschmeißen – oder dass alles, was ich in dessen Rahmen gelernt habe, dann nicht mehr zu gebrauchen und umsonst gewesen wäre. Stattdessen könnte ich die Ausbildung im Fall einer Zusage auch als Zusatzqualifikation betrachten und später versuchen, eine Stelle zu finden, die es möglich macht, das dabei Gelernte mit meinem Studiumswissen zu verbinden.

Oder ich könnte das Ganze als Plan B ansehen, falls ich es doch nicht schaffen sollte, den Master abzuschließen. Denn: Ich gebe es nicht gerne zu, aber die letzten Semester waren oft ein K(r)ampf und manchmal frage ich mich, ob ich das überhaupt noch weiter will und ob es sich am Ende überhaupt lohnen wird. Für den Bachelor habe ich deutlich länger gebraucht als die Regelstudienzeit und jetzt im Master zeichnet sich ab, dass ich es auch dieses Mal nicht in der Regelzeit schaffen werde. Und das frustriert mich ziemlich. Circa die Hälfte der Prüfungen liegt inzwischen hinter mir; objektiv betrachtet eigentlich also nicht mehr so lang bis zum Abschluss. Aber mir erscheint momentan jede einzelne noch zu schreibende Hausarbeit als ein großer Berg, von dem ich nicht weiß, wie ich ihn überwinden soll, obwohl ich mein Studienfach mag. Und auch die Jobsuche ist für Geisteswissenschaftler ja so eine Sache …

Doch als erfahrene Depressive weiß ich natürlich, dass man während der Depression am besten keine schwerwiegenden Entscheidungen trifft, weil die Erkrankung das Denken und Fühlen stark negativ färben kann. Deswegen: keine Hauruck-Aktionen in Form einer Exmatrikulation oder Ähnlichem, die ich später bereuen könnte. Sondern erst einmal abwarten, wie sich alles entwickelt, wenn es mir wieder besser geht.

Jedenfalls sind meine Bewerbungsunterlagen abgegeben und ich freue mich und bin aufgeregt, wie es weitergehen wird. Der Gedanke an die Ausbildung ist einer der Lichtblicke, die mir Kraft und Motivation geben, wenn alles dunkel erscheint.

Aufnahmetermin & Grübelstoff

Wie mit meiner Ärztin besprochen, habe ich heute auf Station angerufen und erfahren, dass ich morgen Vormittag zur Aufnahme kommen kann.

Erleichterung!

Über das Wochenende gab es den ein oder anderen schwierigen Moment. Doch mit Hilfe meiner Freundinnen, die fleißig mit mir über Whats App schrieben und einiger netter Menschen auf Instagram wurde es erträglicher. (Ich danke euch sehr!🌻) Auch Netflix, Podcasts, das sonnige Wetter und Bedarfsmedikation trugen ihren Teil dazu bei, irgendwie über das Wochenende zu kommen. Und mein Malbuch – ich glaube, ich habe schon länger nicht mehr so viele Mandalas am Stück ausgemalt …

Momentan wirbeln mir viele Fragen durch den Kopf:

Wie wird meine Chefin auf meine Krankschreibung reagieren?

Was wird meine Familie zu allem sagen, wenn sie es erfahren?

(Aus Gründen habe ich zusammen mit meiner Therapeutin entschieden, sie erst später einzuweihen, wenn ein paar wichtige Punkte geklärt sind).

Werden wir es schaffen, uns friedlich und fair zu trennen? Oder wird es Streitigkeiten geben?

Ich fürchte mich vor einer hässlichen Scheidung, wie ich sie damals als Teenager bei meinen Eltern miterlebt habe mit Beleidigungen, Tricksereien beim Anwalt und Co.

Schaffe ich es, die Klausur Anfang März mitschreiben?

Da meine Uni generell keine Nachschreibetermine anbietet, müsste ich im Falle eines Rücktritts ein ganzes Semester auf den neuen Prüfungstermin warten. Der Gedanke gefällt mir gar nicht, weil ich schon so viel Arbeit in die Vorbereitung investiert habe und ich nicht noch länger für den Abschluss brauchen will. Andererseits schaffe ich es momentan aber auch nicht, mich länger auf den Lernstoff zu konzentrieren.

Was kann ich tun wegen meiner Finanzlage?

Mein einziges eigenes Einkommen besteht aus meinem Studentenjob. Es reicht nicht, um die Miete einer eigenen Wohnung zu tragen oder andere Dinge, die bei einem Aus-/Umzug anfallen können wie Kaution und Möbelkauf.

Viel Grübelstoff also. Aber da ich inzwischen weiß, dass Grübeln mir nicht gut tut – im Gegenteil – versuche ich, davon auf Abstand zu gehen. Und stattdessen darauf zu vertrauen, dass sich alles mit der Zeit schon irgendwie klären wird. Nach und nach und nicht alles auf einmal, wie der Kontrollfreak in mir das gerne hätte.