Suchbegriffe 2

Seit dem ersten Suchbegriff-Post haben sich einige neue Begriffe in der Blogstatistik angesammelt. Also, auf geht´s! 🙂

„Zwangsgedanken“

Zwangsgedanken sind aufdringliche Gedanken/Bilder/Impulse, die Angst, Anspannung oder andere unangenehme Gefühle im Betroffenen wecken und als quälend erlebt werden. Man weiss, dass diese Gedanken zu einem selbst gehören, hat aber das subjektive Empfinden, ihnen ausgeliefert zu sein. Die meisten Menschen mit Zwangsstörung leiden sowohl unter Zwangsgedanken als auch unter Zwangshandlungen.

Es gibt verschiedene Arten von Zwangsgedanken, z.B. aggressive, sexuelle, religiöse … Darüber hatte ich hier schon einmal geschrieben.

Eine passende medikamentöse Einstellung kann (nicht muss) die Häufigkeit und Intensität der Zwangsgedanken meiner Erfahrung nach reduzieren, wird sie aber leider nicht völlig zum Verschwinden bringen.

Hierfür ist eine Therapie bei einem mit der Behandlung von Zwangsstörungen erfahrenem Therapeuten sehr wichtig. Je eher die Behandlung erfolgt, um so besser, da Zwangsstörungen unbehandelt leider zur Chronifizierung neigen. Hilfe können z.B. Expositionsübungen bringen. Man übt, die Gedanken, die einem so Angst machen, auszuhalten, zu Ende zu denken und sie als das anzunehmen, was sie sind: Bloße Gedanken, die nicht bedeuten, dass man ein schlechter Mensch oder gefährlich etc. ist. Etwas zu denken bedeutet nicht, es auch zu tun! Zudem sind Gedanken nicht kontrollierbar – je mehr man sich gegen einen Gedanken wehrt, um so aufdringlicher wird er.

„Aggressive Zwangsgedanken“

Eine Art von Zwangsgedanken, die ich persönlich immer als quälenstes Symptom meiner Zwangserkrankung erlebt habe. Man leidet dabei unter der Angst andere Menschen (das können fremde oder nahe stehende sein) / Lebewesen wie z.B. Haustiere / sich selbst absichtlich oder unabsichtlich zu verletzen. Ein Beispiel dafür wäre der Zwangsgedanke einer Mutter, ihr Baby fallen zu lassen, wenn sie es auf dem Arm hat. Oder der Gedanke eines Mannes, beim Autofahren gegen den eigenen Willen einem Impuls zu folgen und jemand anderen umzufahren.

„Aggressive Zwangsgedanken gefährlich?“

Oh, wie gut ich diese Frage kenne …Endlose quälende Gedankenspiralen darüber, ob man selbst gefährlich, ein Psychopath, böse ist, kennen wohl alle, die von aggressiven Zwangsgedanken betroffen sind. Genau so wie Scham, Angst und Schuldgefühle als begleitende Emotionen. Mein volles Mitgefühl!

Was mir damals geholfen hat waren die Worte meiner Psychiaterin: Menschen, die wirklich vorhätten, anderen etwas Schlimmes anzutun, dächten vorher nicht ängstlich darüber nach, sondern täten es einfach. Zwangserkrankte hätten dagegen meist hohe moralische Standards, die sich der Zwang dann ganz fies zu Nutzen macht, um den Betroffenen in Form von Zwangsgedanken mit Vorstellungen darüber zu quälen, was derjenige am meisten fürchtet: Andere zu verletzen, zu stehlen, etwas zu tun, was gegen den eigenen Glauben verstößt, jemanden sexuell zu belästigen usw. … Je nachdem, um welche Art von Zwangsgedanken (aggressive, moralische/religiöse, sexuelle…) es sich eben handelt.

„Zwängemonster“

Die Metapher vom Zwangsmonster stammt aus dem großartigen Ratgeber „Dem Zwang die rote Karte zeigen“. Er ist eigentlich für Kinder und Jugendliche konzipiert, aber ich kann ihn auch erwachsenen Lesern wegen seiner Anschaulichkeit sehr empfehlen! Ich habe die Metapher vom Zwangsmonster für mich übernommen, da sie mir hilft, das Thema Zwänge auf eine humorvolle Weise anzugehen. Humor nimmt für mich dem Ganzen einen Teil des Schreckens.

„Kreative Zwänge“

Hmm, ich frage mich, was damit gemeint ist . Zwänge, die einen bei kreativen Hobbys wie z.B. Malen und Schreiben einschränken? Oder dass Zwänge einen kreativ machen? Wenn ihr Ideen habt, lasst es mich wissen 😉

„Blog Zwangserkrankungen“

Davon gibt es im deutschsprachigen Raum leider noch nicht so viele;  ich hoffe sehr, das ändert sich mit der Zeit. Ich vermute, dass Scham hier noch eine große Rolle spielt. Wir „Zwängler“ müssen uns für unsere Krankheit aber genau so wenig schämen wie Menschen mit Depressionen, Diabetes oder Krebs. Das man es oft trotzdem tut, ist das Fiese daran.

An dieser Stelle möchte ich euch wärmstens ein paar Mitblogger ans Herz legen, die ebenfalls über ihr Leben mit Zwangsstörung schreiben oder geschrieben haben. Sie zeigen, wie individuell unterschiedlich die Erkrankung und Wege aus ihr heraus verlaufen können:

Wenn ihr weitere Blogs zum Thema kennt oder selbst dazu schreibt – ich bin für Lesetipps immer dankbar!

„Ich leide unter der Zwangsstörung meines Freundes“

Das tut mir sehr leid. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Zusammenleben mit einem zwangserkrankten Partner/-in hart sein kann.

Zum Einen, weil man als Außenstehende(r) nur schwer nachvollziehen kann, warum der/die  Partner*in nicht von seinen Zwangshandlungen lassen kann oder so Angst vor seinen eigenen Gedanken hat (Zwangsgedanken). Zum Anderen, weil Angehörige oft mal mehr, mal weniger stark in die Zwangsrituale einbezogen werden können.

Empfehlen würde ich engen Angehörigen wie Partnern einerseits, dass man versucht, sich ein gewisses Grundwissen über die Erkrankung  anzueignen. Zu verstehen, warum es für den Freund/ die Freundin eben nicht so einfach ist, seine Kontroll-, Waschrituale oder andere Zwangshandlungen sein zu lassen, sondern mit wahnsinnig viel Angst verbunden, oder warum „nur Gedanken“ den anderen so quälen und ängstigen, kann schon etwas Anspannung aus der Gesamtsituation nehmen. Wir Zwangserkrankte meinen es in der Regel nicht böse, wir wollen niemanden mit unserem Verhalten provozieren. Wir denken einfach, nicht anders zu können. Das es auch anders geht, müssen wir erst langsam lernen. Dieses Umlernen braucht viel Zeit, Mut, Kraft und Geduld und ist nur sehr schwer in kompletter Eigenregie zu bewältigen. Therapeutische Untertstützung und ggf. auch medikamentöse ist hier oft eine notwendige Voraussetzung.

Zum Anderen liegt die Verantwortung aber auch klar beim Erkrankten: Er/sie muss lernen, seine Angst auszuhalten, ohne auf Zwangshandlungen zurückzugreifen, seine Zwangsgedanken zu ertragen, ohne sich beim Umfeld rückzuversichern. Familie und Freunde sollten nicht in die Zwangsrituale einbezogen werden, denn so gibt man die Verantwortung als Betroffener nur an andere ab und lernt nicht, mit seinen Ängste und Befürchtungen umzugehen!

„Jobwechsel trotz Zwangsstörung“

Warum nicht? Je nachdem, wie stabil du dich fühlst! Lass dir vom Zwang nicht dein Leben wegnehmen.

„Depressionsstation Wochenende“

Ich tippe, hier ist die Wochenendgestaltung während eines Klinikaufenthalts gemeint? Soweit ich weiß, regelt das jede Klinik anders.

In der Klinik, in der ich war, hatten wir auf der Depressionsstation folgende Regelung: Das erste Wochenende nach der Aufnahme musste jeder auf Station übernachten. Tagesausflüge nach Hause, in die Stadt etc. bis spät abends waren aber möglich, sofern man das wollte und stabil genug war. An allen anderen folgenden Wochenenden durfte man, sofern stabil genug, eine Nacht daheim verbingen, also entweder die Nacht von Freitag auf Samstag oder von Samstag auf Sonntag. Wer wollte, konnte natürlich auch das gesamte Wochenende über auf Station bleiben.

Allgemein ist es so, dass in der Regel übers Wochenende keine Therapien laufen. Es kann also recht eintönig werden, wenn man keine Bücher, Malsachen, Hörbücher oder was man halt so mag, dabei hat, um sich zu beschäftigen und keinen Besuch erwartet. Darum besser vorsorgen 😉

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Suchbegriffe (1) #Diagnosestellung

Unter den Suchbegriffen meiner Blogstatistik finden sich verschiedene Fragen und Aspekte zum Thema Zwangserkrankung. Ich dachte mir, dass ich dem in Form einer Postreihe nachkommen könnte. Wer Fragen, Kritik oder Anregungen und Themenwünsche hat, kann sie natürlich auch immer gerne direkt im Kommentarbereich unter einem Post oder per Mail schreiben 🙂

 

Frage Nr.1 : Welche Fragen stellt ein Nervenarzt, wenn man ihn wegen Zwängen aufsucht?

Während des ersten Gespräch wird der Arzt/die Ärztin dir als neuem Patienten recht viele Fragen stellen, um sich ein erstes Bild von dir und deinen Beschwerden zu machen, manchmal gibt es dafür auch einen Fragebogen. Zu den gestellten Fragen gehören allgemeinere Fragen wie die nach Familienstand, Kindheit, Beruf, bekannten Vorerkrankungen etc. Speziell auf die Zwänge bezogen kenne ich dann folgende und ähnliche Fragen im Erstgespräch zur Diagnosestellung (den Wortlaut kann ich nur ungefähr wiedergeben):

  • Haben Sie das Gefühl, bestimmte Handlungen oder Rituale immer wieder ausführen zu müssen, z.B. Hände waschen oder mehrfach kontrollieren, ob Elektrogeräte aus sind?
  • Leiden Sie unter bestimmten immer wiederkehrenden Gedanken oder Impulsen?
  • Haben Sie das Gefühl, diese Gedanken gehören zu Ihnen oder erleben Sie sie als etwas, das Ihnen von außen eingegeben wird?
  • Machen Ihnen diese Gedanken Angst oder erzeugen andere unangenehme starke Gefühle?
  • Wie viel Zeit nehmen diese Gedanken und Handlungen pro Tag in Anspruch? Haben Sie dadurch Probleme, Ihren Alltagsaufgaben und Verpflichtungen nachzukommen?

 

Meine Erfahrungen zur Diagnosestellung

Meine erste Psychiaterin, die die Erkrankung damals diagnostiziert hat, war zum Glück wirklich einfühlsam in der Gesprächsführung und bei ihren Fragen. Das war wichtig für mich, weil ich mit einer anderen Ärztin dieser Fachrichtung bei einem Termin kurz zuvor negative Erfahrungen gemacht hatte, die mir noch in den Knochen steckten. Dementsprechend war ich ängstlich und misstrauisch und musste erst einmal Vertrauen aufbauen. Bei ihren Fragen ist meine Ärztin dann nicht gleich in die Vollen gegangen. Das war klug von ihr, denn zu diesem Zeitpunkt habe ich mich noch sehr, sehr stark für meine Zwangsgedanken geschämt, gerade für diejenigen aggressiver Art. Zudem war mir generell mulmig darüber, beim Psychiater zu sein und ich war stark beeinträchtigt von der parallel bestehenden Depression.

Bei mir ging es dann so weiter, dass meine Ärztin mir am Ende des Erstgesprächs erklärte, dass ich neben der Depression auch unter einer Zwangserkrankung leide und was das bedeutet (einfacher und recht schnell klar machte die Diagnosestellung, dass es meiner Elternteile ebenfalls von dieser Erkrankung betroffen ist). Ich erhielt dann für zuhause einen Fragebogen zur genauen Erfassung meiner Zwänge. Darauf sollte ich ankreuzen, welche Zwangshandlungen und Zwangsgedanken mich genau plagen  – z.B. Ordnungs- oder Waschzwänge, Zwangsgedanken über Religion oder andere Themen. Ein Rezept für ein Antidepressivum und übergangsweise für ein Bedarfsmedikament zur Beruhigung erhielt ich aufgrund der festgestellten schweren depressiven  Episode und der massiven Angst, die die Zwangsgedanken erzeugten, am Ende dieses Termins. Krank geschrieben war ich bereits. Der Fragebogen wurde dann beim Folgetermin wenige Tage später besprochen und meine Ärztin erklärte mir Genaueres über meine Erkrankungen und ihre Behandlung.