Dancing Queen (oder so ähnlich)

In einem spontanen Anflug von Lebensfreude habe ich heute die Musik voll aufgedreht und bin beim Putzen durch die halbe Wohnung getanzt. Die Tanztherapeutin aus der Tagesklinik vom letzten Jahr wäre bestimmt überrascht von meiner Performance 😂

Die Tanztherapie dort war lange meine Hasstherapiestunde. Wenn ich vor anderen tanzen soll, bin ich in der Regel blockiert vor sozialer Unsicherheit und möchte im Erdboden versinken. So ähnlich ging es auch einigen Mitpatienten. Und so beneideten wir einen aus unserer Gruppe, der es tatsächlich geschafft hatte, in der Visite für sich eine Befreiung von den eigentlich obligatorischen Tanztherapiestunden rauszuhandeln. Wir wissen bis heute nicht, wie er das vollbracht hat …

Zu Hause im Alleingang tanzen? Kein Problem, da wirbele ich in passender Stimmung so wie heute durch die Räume. Gut, dass mein Mann nicht Zeuge des Spektakels wurde …

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Looking back

… nicht „over my shoulder“, (wobei, ich mag den Song), sondern auf das Jahr 2017. Für mich war es ein besonderes Jahr. Das liegt gar nicht so sehr an äußeren Ereignissen, sondern vor allem an meiner inneren Entwicklung. Aber der Reihe nach …

 

Jobben

Nachdem ich immer deutlicher gemerkt habe, dass mir die lange Pendelzeit zum Arbeitsort nicht gut tat, entschied ich mich schließlich trotz des netten und verständnisvollen Chefs und der angenehmen Arbeitsbedingungen für eine Kündigung. Auch hier gab es im Vorfeld wieder viel Grübelei und Selbstvorwürfe und -zweifel. Gespräche mit meinen Lieblingsmenschen und diversen Psych-Fachleuten führten mir aber vor Augen, dass es keine Schwäche ist, auf die Notbremse zu treten. Einige Wochen später fand ich zum Glück einen anderen Studentenjob in meinem Wohnort. Jetzt fahre ich nur noch halb so lange zur Arbeit, was eine echte Erleichterung ist. Auch die finanzielle Situation hat sich in Folge dessen verbessert.

Freundschaften

Dieses Jahr sind neue Menschen in mein Leben getreten, die ich nicht missen möchte. An erster Stelle Annie vom Blog Hoffnungsschein. Einige Monate hatten wir bereits abseits unserer Blogs privat geschrieben, als wir uns dann diesen Sommer das erste Mal in Echt trafen. Und ich würde sagen, bereits am Ende dieses Tages sind wir Freundinnen geworden 😉 Annie ist ein sehr warmherziger, kreativer Mensch, eine gute Zuhörerin und Gesprächspartnerin. Ich bin sehr froh, dass wir Freundinnen sind!

Meine alten Freundschaften sind das Jahr hindurch bestehen geblieben und haben mir immer wieder Kraft gegeben und viele schöne Momente beschert.

Der ein oder andere Online-Kontakt hat sich über das Bloggen ergeben, wofür ich dankbar bin. Ich freue mich, 2018 weiter mit euch zu schreiben!

Während der Tagesklinikzeit durfte ich einige liebe Menschen kennenlernen. Zu manchen von ihnen besteht auch jetzt, einige Monate nach der Entlassung, noch Kontakt. Wir sind definitiv eine besondere, harmonische Therapie-Gruppe gewesen!

Hobbys

Als neues Hobby ist Yoga dazu gekommen. Seit Jahren wollte ich gerne einen Sportkurs mitmachen, habe mich jedoch von meiner Angst vor Gruppensituationen lange davon abhalten lassen. Yoga sagte mir bis dato nicht viel. Ich hatte mir darunter immer etwas Ähnliches wie Pilates vorgestellt – und Pilates, das mochte ich so gar nicht. In der Tagesklinik machten wir dann regelmäßig Yogaübungen und ich merkte schnell, dass es so ganz Anders war als angenommen und mir sehr gut tat. Animiert von einigen mutigen Mitpatienten, die sich ihren Ängsten in verschiedenen Situationen stellten, fasste ich dann den Entschluss, mich nach Ende der TK-Zeit in einem Yogakurs anzumelden. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellte. Mit der Angst und Vermeidungstendenzen ringe ich zwar manchmal noch immer, aber es ist schon deutlich besser geworden und der Spaß am Yoga und die innere Ruhe, die es mir gibt, wiegen das  definitiv auf!

Vor kurzem habe ich dann das Backen für mich wiederentdeckt.

Gesundheit

In diesem Punkt gab es wohl die meisten Veränderungen. 2015 und 2016 hatte ich meine ersten und bisher einzigen beiden stationären Aufenthalte. Dieses Jahr war dagegen keine stationäre Behandlung notwendig 🤘 Statt wie in den beiden Jahren davor eine schwere depressive Episode beehrte mich dieses Jahr eine mittelschwere mit ihrer wunderbaren *hust* Gegenwart. Wir bekamen sie aber mit der tagesklinischen Behandlung gut und wesentlich schneller in den Griff, als ich dachte. Das gab und gibt mir Mut für die Zukunft, etwaigen weiteren depressiven Episoden anders begegnen zu können als noch vor ein paar Jahren. Diese Erfahrung verkleinert auch meine Rückfallangst um einen guten Teil. Momentan habe ich mehr depressionsfreie als depressive Tage, was mir so viel mehr an Lebensfreude gibt, als ich in Worte fassen kann. Ich bin so so dankbar dafür, gerade wenn ich an meine Anfangsjahre nach der Diagnosestellung zurückdenke, in denen ich über Monate mit einer wiederkehrenden schweren depressiven Symptomatik zu kämpfen hatte und mich oft verzweifelt und teils auch lebensmüde fühlte. Ich denke, in Sachen Depression konnte ich sehr von der schematherapeutischen Arbeit mit meiner Therapeutin profitieren.

Und die Angst und die Zwänge?

Die sind noch da, aber momentan nicht so ausgeprägt. In stressigen Phasen schießen die Angst- und die Zwangssymptomatik bei mir oft hoch. Das kann ich inzwischen besser als früher als Warnzeichen erkennen und versuche dann, mehr auf mich zu achten und Stresssoren so weit möglich zu reduzieren. Ich hoffe, der geplante Klinikaufenthalt für wird mir helfen, mit der Zwangs- und der Angsterkrankung noch weitere Fortschritte zu machen.

Was die Zwänge angeht, hatte ich das Glück, in der Tagesklinik einen Bezugspfleger zu haben, der viel Erfahrung mit dem Thema Achtsamkeit und Meditation hat. Er konnte mir helfen, das Achtsamkeitskonzept auf meine Zwangsgedanken anzuwenden. Seitdem versuche ich, mich nicht mehr so sehr auf absolute und schnellstmögliche Heilung zu fokussieren (und mich dadurch im Endeffekt selbst sehr unter Druck zu setzen!), sondern meine Zwangsgedanken gelassener kommen und gehen zu lassen und zu versuchen, sie nicht zu bewerten. Akzeptanz ist da wohl das Schlüsselwort.

Aber auch der Wechsel von meinem niedergelassenen Psychiater hin zur psychiatrischen Institutsambulanz hat mir geholfen. Ich merke, dass man sich dort in der Zwangssprechstunde besser mit meiner Erkrankung auskennt als in der Praxis, wo ich zuvor in Behandlung war. Die häufigeren Kontrolltermine, die sie anbieten, geben mir die Chance, möglichen Verschlechterungen zeitnah zu begegnen. Und mit meinem neuen Arzt habe ich einen engagierten und erfahrenen Ansprechpartner, der mir schon mehrere gute Denkanstöße und Tipps gegeben hat.

Der Blog

Farbensehnsucht ist 2017 weiter gewachsen an Beiträgen, neuen Post-Ideen und Lesern. Ein von Herzen kommendes Danke an dieser Stelle an euch! Eure Kommentare, Likes und e-Mails bedeuten mir viel und geben mir immer wieder Kraft und das Gefühl, nicht allein zu sein mit meinem Kampf mit den Schatten im Inneren. Was wir alleine nicht schaffen …

Daneben habe ich einige neue Blogs und Blogger unter euch kennengelernt, die mir ans Herz gewachsen sind und viel Input gegeben haben. Danke dafür!

Und jetzt … bin ich gespannt auf 2018.

Tief

Die Depression greift seit einigen Tagen nach mir, gefühlte Tendenz Richtung schlechter statt besser werdend. Ich spüre ihre Präsenz in den Momenten, in denen ich mich leer und gefühllos fühle. Dann, wenn der Abwasch oder andere alltägliche Kleinigkeiten mir wie eine große Herausforderung erscheinen, wenn ich abends im Bett liege und Probleme mit dem Einschlafen habe und immer dann, wenn sie versucht, mir Gedanken an die vermeintliche Sinnlosigkeit von allem einzuflüstern.

Ob es am Stress der letzten Wochen liegt, eine Folge der vermehrten Zwangsgedanken und Angstsymptome ist, mit denen ich das Vergnügen hatte, oder am tristen Wetter (meine letzten beiden schweren depressiven Episoden begannen beide im Oktober – November)?

Ich weiss es nicht und es spielt wohl auch keine Rolle. Rezidivierende Depressionen kommen eben gerne wieder, sagt uns ja schon der Name, ne 😒 Läuft bei meinen depressiven Verwandten leider größtenteils ähnlich, so wie ich das mitbekomme.

Wie das noch mal mit der Achtsamkeit? Annehmen, was ist.

Also gut, dann nehme ich diese depressive Verstimmung, das vorübergehende Tief, wenn es sein muss auch eine weitere depressive Episode, eben an.

Ich hatte einige wunderbare symptomfreie bzw. -arme Wochen nach der Tagesklinik. Ich hatte auch schon (fast)depressionsfreie Jahre seit der Diagnose. Das will ich wieder und das kann ich auch wieder schaffen. Ob ich das große Ziel erreiche, die völlige Genesung, ist mir daneben erstmal nicht so wichtig. Lebensqualität zählt mehr als der Stempel „geheilt“.

Hörst du das, Depression, du ***? Du kriegst mich dieses Mal genau so wenig wie die Male zuvor. Vielleicht willst du mir etwas mitteilen? Ich werde dir zuhören und versuchen herauszufinden, was es ist. Danach wirst du gehen. Und ich werde leben.