Memo an mein inneres Kind

Ich halte es aus, wenn er mir mal längere Zeit nicht antwortet.

Keine oder keine zeitnahe Antwort zu bekommen, bedeutet nicht, dass ich wieder wie damals als Kind verlassen werde.

Und selbst wenn ich verlassen werden sollte, bin ich stark genug, um das auszuhalten. Ich bin jetzt erwachsen und kann selbst für mich sorgen.

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Dating mit Bindungstrauma

Ich habe ein Bindungstrauma, ausgelöst durch das Aufwachsen mit einem Elternteil mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung. Das hat u.a. zur Folge, dass ich Dating und Beziehungen leider nicht so unbedarft erleben kann wie andere Menschen.

Hier ein paar Beispiele:

Meldet sich die Person, die ich date, länger als gewöhnlich nicht bei mir (und da reicht es schon, wenn es eine Stunde über der gewohnten Zeit ist), triggert das in mir das alte Gefühl an, verlassen zu werden. Mein inneres Kind reagiert darauf mit tiefer Angst.

Macht man mir Komplimente, glaube ich nicht, dass mein Gegenüber sie ernst meint.

Und generell kann sich ein Teil von mir nicht vorstellen, dass jemand überhaupt „jemanden wie mich“ daten möchte, d.h. freiwillig seine Zeit mit mir verbringt, denn ich bin doch minderwertig und unzureichend.

Dieser Teil glaubt auch, er muss sich die Liebe des anderen erarbeiten , soll heißen in gewohnter Manier „Leistung“ bringen, um geliebt zu werden. Also z.B. besonders aufmerksam sein.

All diese Muster und Mechanismen waren mir lange nicht bewusst. Erst jetzt, nach mehreren Jahren Therapie, sind sie mir klar geworden. Die Erkenntnis war wohl der erste Schritt, doch jetzt geht es darum, dementsprechend auch mein Handeln zu verändern. Und das ist richtig harte Arbeit. Das sieht z.B. so aus, dass ich versuche, nicht mehr angespannt vorm Handy zu sitzen und zu warten, ob er schreibt oder dass ich mir vornehme, liebe Worte an mich einfach anzunehmen und nicht kritisch zu hinterfragen. Der größte Kampf ist für mich aber der mit den Verlassenheitsängsten.