Rückblick auf mein gesundheitliches 2016 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und so bin ich, wahrscheinlich auch noch in Folge der Weihnachtstage, gerade ziemlich g̶̶e̶̶f̶̶ü̶̶h̶̶l̶̶s̶̶d̶̶u̶̶s̶̶e̶̶l̶̶i̶̶g̶ sentimental gestimmt. Was kann ich also sagen über mein 2016?

Gesundheitlich

  • Zusammengerechnet 12 Wochen habe ich dieses Jahr stationär verbracht. Beide Klinik-Aufenthalte waren auf verschiedene Weisen fordernd. Nicht alles lief rosig, wenig schön waren aufgrund von Personalproblemen entfallene Therapien  oder der ein oder andere Mitarbeiter, der mit einem sprach, als sei man ein kleines Kind.. Jedoch überwog insgesamt deutlich das Positive. Ich habe herzliche und hilfsbereite Menschen sowohl auf Seiten der Klinikmitarbeiter als auch der Mitpatienten kennengelernt, habe neue Kontakte geknüpft und zwei Freundschaften geschlossen. Ich habe gelernt, besser mit meinen Erkrankungen umzugehen und wie ich mir selbst besser helfen kann. Die Angst vor einem Psychiatrieaufenthalt, die ich vorher immer hatte, habe ich nun durch meinen ersten Klinik-Aufenthalt zu einem großen Teil verloren. Ich will mich nicht mehr dafür schämen, psychisch krank zu sein. Eine psychiatrische Klinik ist letztlich nur ein Krankenhaus wie andere auch, wenn auch mit einigen Eigenarten. Es ist nicht Schlimmes daran, sich diese Art von Hilfe zu holen. Wegen einer Depression oder einer anderen psychischen Erkrankung in ein Krankenhaus zu gehen ist genau so wenig verwerflich wie wegen einer Blinddarmentzündung oder Rheuma, auch wenn gesellschaftlich leider teilweise immer noch etwas Anderes suggeriert wird. Ich bin froh, dass meine Erfahrungen mit dem Thema positive waren, weiß ich schließlich auch von anderen, bei denen das Negative überwog oder es gar keine positiven, sondern nur negative Erfahrungen mit der Institution Psychiatrie gab. Besonders hilfreich war für mich die Teilnahme an einem stationären Therapieprogramm für Zwangsstörungen. Hier konnte ich einiges über Zwangserkrankungen und darüber, wie man ihnen begegnen kann, dazu lernen und habe mich nicht so allein und seltsam wegen meiner Zwänge gefühlt, was mir sehr, sehr gut tat.

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Hilfreiche Kommentare

O-Ton Hausarzt heute morgen: „Sind Sie depressiv, weil Sie keine Kinder haben?“

Beim Vorlegen des Berichts über meine erste stationäre Behandlung: „Sie waren ja lange in der Klinik das letzte Mal!“ (Ja, es tut mir leid, Herr Doktor, ich hatte so schrecklich Langeweile. Kann mir auch gar nichts Schöneres vorstellen als x Wochen psychiatrische Klinik, darum jetzt bitte noch mal, yippie yeah!)

Ohne Worte. Würde gerne heulen oder schreien, wenn ich es könnte.

Ich sitze jetzt hier und habe eine Einweisung für stationäre Behandlung und einen anderen Rat, der Tagesklinik bevorzugt. Dort gibt es aber frühestens ab Freitag einen Platz. Gerade in der Klinik angerufen und gefragt, wie es mit stationär aussieht. Erfahren, dass man heute nur zur Aufnahme solle, wenn es nicht anders ginge, sie hätten montags wenig Kapazität.

Und ich? Weiß nicht mehr weiter. Hatte mich das Wochenende doch so daran geklammert, dass ich nur noch bis Montag durchhalten muss, dass mir dann jemand hilft ….

Neulich in der U-Bahn

Ich sitze in der U-Bahn, in Gedanken versunken, als plötzlich jemand von den  zugestiegenen Fahrgästen vor mir stehen bleibt. Ich schrecke auf,  brauche einen Moment, bis ich die Person erkenne, dann stiehlt sich automatisch ein Lächeln in mein Gesicht. Eine ehemalige Mitpatientin aus der Klinik. Sie ist in die gleiche Richtung unterwegs wie ich, sodass wir ein paar Haltestellen zusammen fahren können. Ich freue mich über die unverhoffte Begegnung, denn wir hatten immer einen guten Draht zu einander. Automatisch ist es wieder da, dieses Verbundenheitsgefühl von damals: Wir haben einander in tiefen Krisenmomenten erlebt, haben in der Sportgruppe zusammen geschwitzt, in vielen Momenten beim Essen unsere Lebensgeschichten und Erfahrungen ausgetauscht, zusammen gelacht, als es wenig zu lachen gab und uns beim gesünder Werden gegenseitig ermutigt. Das schweißt zusammen. In der begrenzten Zeit versuchen wir einander auf den aktuellen Stand zu bringen.Wie geht es ihr? Wie geht es mir? Wie den anderen, mit denen wir damals zusammen waren, wer hat noch Kontakt zu wem? Ich überlege, was ich von mir preis geben soll, schließlich sind wir in der U-Bahn, es sind einige Menschen um uns herum. Früher hätte ich in solchen Situationen aus Scham geschwiegen, jetzt möchte ich das nicht mehr. Ich erzähle, dass ich einen ambulanten Therapieplatz gefunden habe und gerade auf dem Weg zu meiner Therapeutin bin. Eine Gruppe junger Leute, geschätzt nicht so viele  Jahre jünger als ich, Typ Megacool, wenige Sitzreihe weiter, hat uns zugehört. Sie fangen an zu kichern, schauen mehr oder weniger offen zu uns herüber, kichern weiter, schauen wieder zu mir, als warten sie auf eine Reaktion. Da ist er, ein kleiner Stich in meinem Inneren. Es erinnert mich an die ein, zwei Jahre  Mobbing früher in der Schule. Ausgeschlossen und abgelehnt zu werden, weil ich anders war als die anderen, das tat weh, bitte nicht noch einmal, danke. Aber der andere Teil in mir ist stärker. Ich will mich nicht mehr dafür schämen müssen, psychisch krank zu sein, weder gegenüber meinem Umfeld noch Fremden. Auch nicht in der U-Bahn.