Tipp: Das Projekt „Mutmachleute“

Habt ihr schon von den Mutmachleuten gehört?

Falls nicht: Ein meiner Meinung nach tolles, unterstützenswertes Online-Projekt gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen. Entstanden ist es aus der Zusammenarbeit des Starks-Sture Verlag und der Werbeagentur designmeetsmotion.

Logo_Kolibri_Mutmach-RGB

Ziel des Projekts ist es, mit Vorurteilen gegenüber psychischen Krankheiten aufzuräumen und für eine Gleichstellung von psychischen und somatischen Erkrankungen einzutreten. Außerdem sollen mögliche positive Seiten aufgezeigt werden, die sich aus dem Leben mit einer psychischen Erkrankung ergeben können. Im Fokus sollen die Ressourcen und Stärken Betroffener stehen.

Was ist denn an einer psychischen Krankheit bitte positiv? mag der ein oder andere an dieser Stelle vielleicht einwenden. Und ja, ich kann diesen Einwand voll nachvollziehen. Wenn man gerade tief in einer depressiven Episode steckt, oder mit Panikattacken ringt, die einem das Gefühl geben, keine Luft mehr zu bekommen, oder oder odet scheint es unmöglich, dem Ganzen auch nur irgendetwas Positives abzugewinnen. Wer ist schon gerne krank? Denkt man mit etwas zeitlichem und inneren Abstand noch einmal nach, fällt einem vielleicht doch das Ein oder Andere ein: wichtige Erkenntnisse, die man ohne seine Krankheitserfahrung nicht gewonnen hätte, (wiederentdeckte) Ressourcen wie das Malen oder Sport …

Auf der Homepage der Mutmachleute kommen Betroffene verschiedener psychischer Erkrankungen, aber auch Angehörige und Experten zu Wort. In Form von Interviews erzählen sie, wie sie zu ihrer Diagnose kamen, über die Reaktionen ihres Umfelds, ihre Stärken und vieles mehr.

Annie von Hoffnungsschein hat mich auf das Projekt aufmerksam gemacht und auch selbst teilgenommen. Nach einer kurzen Bedenkzeit bin ich ihrem mutigen Beispiel gefolgt und habe mich auch interviewen lassen. (Das war ganz schön aufregend für mich, auch wenn alles nur virtuell stattfand.) Wer lesen mag, findet mein Interview hier.

Es werden übrigens noch weitere Mutmacher gesucht – Betroffene, Angehörige, Peers und Fachleute, alle sind willkommen! Also Leute, ran an die Tasten!

Advertisements

Rückblick auf mein gesundheitliches 2016 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und so bin ich, wahrscheinlich auch noch in Folge der Weihnachtstage, gerade ziemlich g̶̶e̶̶f̶̶ü̶̶h̶̶l̶̶s̶̶d̶̶u̶̶s̶̶e̶̶l̶̶i̶̶g̶ sentimental gestimmt. Was kann ich also sagen über mein 2016?

Gesundheitlich

  • Zusammengerechnet 12 Wochen habe ich dieses Jahr stationär verbracht. Beide Klinik-Aufenthalte waren auf verschiedene Weisen fordernd. Nicht alles lief rosig, wenig schön waren aufgrund von Personalproblemen entfallene Therapien oder der ein oder andere Mitarbeiter, der mit einem sprach, als sei man ein kleines Kind. Jedoch überwog insgesamt deutlich das Positive. Ich habe herzliche und hilfsbereite Menschen sowohl auf Seiten der Klinikmitarbeiter als auch der Mitpatienten kennengelernt, habe neue Kontakte geknüpft und zwei Freundschaften geschlossen. Ich habe gelernt, besser mit meinen Erkrankungen umzugehen und wie ich mir selbst besser helfen kann. Die Angst vor einem Psychiatrieaufenthalt, die ich vorher immer hatte, habe ich nun durch meinen ersten Klinik-Aufenthalt zu einem großen Teil verloren. Ich will mich nicht mehr dafür schämen, psychisch krank zu sein. Eine psychiatrische Klinik ist letztlich nur ein Krankenhaus wie andere auch, wenn auch mit einigen Eigenarten. Es ist nicht Schlimmes daran, sich diese Art von Hilfe zu holen. Wegen einer Depression oder einer anderen psychischen Erkrankung in ein Krankenhaus zu gehen ist genau so wenig verwerflich wie wegen einer Blinddarmentzündung oder Rheuma! Auch, wenn gesellschaftlich leider teilweise immer noch etwas Anderes suggeriert wird. Ich bin froh, dass meine Erfahrungen mit dem Thema positive waren, weiß ich schließlich auch von anderen, bei denen das Negative überwog oder es gar keine positiven, sondern nur negative Erfahrungen mit der Institution Psychiatrie gab. Besonders hilfreich war für mich die Teilnahme an einem stationären Therapieprogramm für Zwangsstörungen. Hier konnte ich einiges über Zwangserkrankungen und darüber, wie man ihnen begegnen kann, dazu lernen und habe mich nicht so allein und seltsam wegen meiner Zwänge gefühlt, was mir sehr, sehr gut tat.

„Rückblick auf mein gesundheitliches 2016 „ weiterlesen

Hilfreiche Kommentare

O-Ton Hausarzt heute morgen: „Sind Sie depressiv, weil Sie keine Kinder haben?“

Beim Vorlegen des Berichts über meine erste stationäre Behandlung: „Sie waren ja lange in der Klinik das letzte Mal!“ (Ja, es tut mir leid, Herr Doktor, ich hatte so schrecklich Langeweile. Kann mir auch gar nichts Schöneres vorstellen als x Wochen psychiatrische Klinik, darum jetzt bitte noch mal, yippie yeah!)

Ohne Worte. Würde gerne heulen oder schreien, wenn ich es könnte.

Ich sitze jetzt hier und habe eine Einweisung für stationäre Behandlung und einen anderen Rat, der Tagesklinik bevorzugt. Dort gibt es aber frühestens ab Freitag einen Platz. Gerade in der Klinik angerufen und gefragt, wie es mit stationär aussieht. Erfahren, dass man heute nur zur Aufnahme solle, wenn es nicht anders ginge, sie hätten montags wenig Kapazität.

Und ich? Weiß nicht mehr weiter. Hatte mich das Wochenende doch so daran geklammert, dass ich nur noch bis Montag durchhalten muss, dass mir dann jemand hilft ….