Abends vom Yogakurs kommen

… und sich mit einmal lebendig und glücklich fühlen. Vergessen sind Entfremdungsgefühle, die Angst vor der Gruppensituation im Vorfeld, die Traurigkeit und Gereiztheit vom Rest des Tages.

Huch, stimmt, ich habe ja einen Körper. Ich atme, spüre die Freude durch meinen Adern fließen. Ich lebe!

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Looking back

… nicht „over my shoulder“, (wobei, ich mag den Song), sondern auf das Jahr 2017. Für mich war es ein besonderes Jahr. Das liegt gar nicht so sehr an äußeren Ereignissen, sondern vor allem an meiner inneren Entwicklung. Aber der Reihe nach …

 

Jobben

Nachdem ich immer deutlicher gemerkt habe, dass mir die lange Pendelzeit zum Arbeitsort nicht gut tat, entschied ich mich schließlich trotz des netten und verständnisvollen Chefs und der angenehmen Arbeitsbedingungen für eine Kündigung. Auch hier gab es im Vorfeld wieder viel Grübelei und Selbstvorwürfe und -zweifel. Gespräche mit meinen Lieblingsmenschen und diversen Psych-Fachleuten führten mir aber vor Augen, dass es keine Schwäche ist, auf die Notbremse zu treten. Einige Wochen später fand ich zum Glück einen anderen Studentenjob in meinem Wohnort. Jetzt fahre ich nur noch halb so lange zur Arbeit, was eine echte Erleichterung ist. Auch die finanzielle Situation hat sich in Folge dessen verbessert.

Freundschaften

Dieses Jahr sind neue Menschen in mein Leben getreten, die ich nicht missen möchte. An erster Stelle Annie vom Blog Hoffnungsschein. Einige Monate hatten wir bereits abseits unserer Blogs privat geschrieben, als wir uns dann diesen Sommer das erste Mal in Echt trafen. Und ich würde sagen, bereits am Ende dieses Tages sind wir Freundinnen geworden 😉 Annie ist ein sehr warmherziger, kreativer Mensch, eine gute Zuhörerin und Gesprächspartnerin. Ich bin sehr froh, dass wir Freundinnen sind!

Meine alten Freundschaften sind das Jahr hindurch bestehen geblieben und haben mir immer wieder Kraft gegeben und viele schöne Momente beschert.

Der ein oder andere Online-Kontakt hat sich über das Bloggen ergeben, wofür ich dankbar bin. Ich freue mich, 2018 weiter mit euch zu schreiben!

Während der Tagesklinikzeit durfte ich einige liebe Menschen kennenlernen. Zu manchen von ihnen besteht auch jetzt, einige Monate nach der Entlassung, noch Kontakt. Wir sind definitiv eine besondere, harmonische Therapie-Gruppe gewesen!

Hobbys

Als neues Hobby ist Yoga dazu gekommen. Seit Jahren wollte ich gerne einen Sportkurs mitmachen, habe mich jedoch von meiner Angst vor Gruppensituationen lange davon abhalten lassen. Yoga sagte mir bis dato nicht viel. Ich hatte mir darunter immer etwas Ähnliches wie Pilates vorgestellt – und Pilates, das mochte ich so gar nicht. In der Tagesklinik machten wir dann regelmäßig Yogaübungen und ich merkte schnell, dass es so ganz Anders war als angenommen und mir sehr gut tat. Animiert von einigen mutigen Mitpatienten, die sich ihren Ängsten in verschiedenen Situationen stellten, fasste ich dann den Entschluss, mich nach Ende der TK-Zeit in einem Yogakurs anzumelden. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellte. Mit der Angst und Vermeidungstendenzen ringe ich zwar manchmal noch immer, aber es ist schon deutlich besser geworden und der Spaß am Yoga und die innere Ruhe, die es mir gibt, wiegen das  definitiv auf!

Vor kurzem habe ich dann das Backen für mich wiederentdeckt.

Gesundheit

In diesem Punkt gab es wohl die meisten Veränderungen. 2015 und 2016 hatte ich meine ersten und bisher einzigen beiden stationären Aufenthalte. Dieses Jahr war dagegen keine stationäre Behandlung notwendig 🤘 Statt wie in den beiden Jahren davor eine schwere depressive Episode beehrte mich dieses Jahr eine mittelschwere mit ihrer wunderbaren *hust* Gegenwart. Wir bekamen sie aber mit der tagesklinischen Behandlung gut und wesentlich schneller in den Griff, als ich dachte. Das gab und gibt mir Mut für die Zukunft, etwaigen weiteren depressiven Episoden anders begegnen zu können als noch vor ein paar Jahren. Diese Erfahrung verkleinert auch meine Rückfallangst um einen guten Teil. Momentan habe ich mehr depressionsfreie als depressive Tage, was mir so viel mehr an Lebensfreude gibt, als ich in Worte fassen kann. Ich bin so so dankbar dafür, gerade wenn ich an meine Anfangsjahre nach der Diagnosestellung zurückdenke, in denen ich über Monate mit einer wiederkehrenden schweren depressiven Symptomatik zu kämpfen hatte und mich oft verzweifelt und teils auch lebensmüde fühlte. Ich denke, in Sachen Depression konnte ich sehr von der schematherapeutischen Arbeit mit meiner Therapeutin profitieren.

Und die Angst und die Zwänge?

Die sind noch da, aber momentan nicht so ausgeprägt. In stressigen Phasen schießen die Angst- und die Zwangssymptomatik bei mir oft hoch. Das kann ich inzwischen besser als früher als Warnzeichen erkennen und versuche dann, mehr auf mich zu achten und Stresssoren so weit möglich zu reduzieren. Ich hoffe, der geplante Klinikaufenthalt für wird mir helfen, mit der Zwangs- und der Angsterkrankung noch weitere Fortschritte zu machen.

Was die Zwänge angeht, hatte ich das Glück, in der Tagesklinik einen Bezugspfleger zu haben, der viel Erfahrung mit dem Thema Achtsamkeit und Meditation hat. Er konnte mir helfen, das Achtsamkeitskonzept auf meine Zwangsgedanken anzuwenden. Seitdem versuche ich, mich nicht mehr so sehr auf absolute und schnellstmögliche Heilung zu fokussieren (und mich dadurch im Endeffekt selbst sehr unter Druck zu setzen!), sondern meine Zwangsgedanken gelassener kommen und gehen zu lassen und zu versuchen, sie nicht zu bewerten. Akzeptanz ist da wohl das Schlüsselwort.

Aber auch der Wechsel von meinem niedergelassenen Psychiater hin zur psychiatrischen Institutsambulanz hat mir geholfen. Ich merke, dass man sich dort in der Zwangssprechstunde besser mit meiner Erkrankung auskennt als in der Praxis, wo ich zuvor in Behandlung war. Die häufigeren Kontrolltermine, die sie anbieten, geben mir die Chance, möglichen Verschlechterungen zeitnah zu begegnen. Und mit meinem neuen Arzt habe ich einen engagierten und erfahrenen Ansprechpartner, der mir schon mehrere gute Denkanstöße und Tipps gegeben hat.

Der Blog

Farbensehnsucht ist 2017 weiter gewachsen an Beiträgen, neuen Post-Ideen und Lesern. Ein von Herzen kommendes Danke an dieser Stelle an euch! Eure Kommentare, Likes und e-Mails bedeuten mir viel und geben mir immer wieder Kraft und das Gefühl, nicht allein zu sein mit meinem Kampf mit den Schatten im Inneren. Was wir alleine nicht schaffen …

Daneben habe ich einige neue Blogs und Blogger unter euch kennengelernt, die mir ans Herz gewachsen sind und viel Input gegeben haben. Danke dafür!

Und jetzt … bin ich gespannt auf 2018.

Erste Male

Im Rahmen der tagesklinischen Behandlung habe ich zum ersten Mal …

Schlagzeug gespielt. Anfangs noch sehr verhalten aus Angst, den Rythmus zu stören und unangenehm aufzufallen, habe ich mich gegen Ende unserer Improvisation in der Musiktherapie getraut, lauter zu werden und hatte echt Spaß dabei.

Yoga gemacht. Es tut mir sehr gut. Das hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, konnte ich doch z.B. mit Pilates und Tai Chi in der Vergangenheit wenig anfangen.

mich intensiver als zuvor in Achtsamkeit geübt, gerade auch in Bezug auf die Zwangsgedanken und meine starke Grübelneigung. Während es bei formellen Übungen wie dem Body Scan noch hapert, klappt es mit den so genannten informellen Übungen deutlich besser. Ich bemerke die ersten positiven Veränderungen durch das tägliche Üben.

von mir aus in der Visite um eine Verlängerung gebeten. Die reguläre Aufenthaltszeit hier beträgt sechs Wochen. Möchte man eine Verlängerung, muss man das in der Regel während der Visite selbst ansprechen und Argumente dafür nennen: Welche konkreten Ziele möchte man noch erreichen in der/den zusätzlichen Wochen? Es kostete mich Mut, zu fragen und war dann ein Erfolgserlebnis, als ich das Okay für eine Woche Verlängerung bekam.

mich ein Stück mehr mit der Erkenntnis angefreundet, dass meine Zwangserkrankung womöglich nicht heilbar ist, ich aber durch regelmäßiges selbstständiges Üben eine gute Lebensqualität und lange symptomarme oder symptomfreie Phasen erreichen kann. Diese Prognose war für mich im Prinzip nichts Neues. Sowohl der Oberarzt bei meinem ersten stationären Aufenthalt als auch mein alter Arzt in der Ambulanz hatten das mir gegenüber schon mal so geäußert. Bisher hatte ich die Möglichkeit, dass meine Zwangserkrankung nicht heilbar sein könnte, aber nie so recht wahr haben wollen oder hatte darauf depressiv reagiert. Je nach Stimmungslage habe ich dann innerlich aufbegehrt („Wieso ich?„) oder war schwermütig und hoffnungslos, manchmal auch verbittert geworden („Ich werde ja eh nie wieder richtig gesund, wozu dann die ganze Mühe?!„).

Inzwischen kann ich diese Möglichkeit besser akzeptieren. Ich erkenne jetzt auch deutlicher als früher, dass ich viel Eigenverantwortung dafür habe, wie es mir geht. So erklärte man mir letztens in der Visite, dass viele Patienten mit Zwangsstörungen das regelmäßige Üben irgendwann aufgeben, wenn es ihnen wieder besser geht. Das sei aber kontraproduktiv, denn so würden sich die Zwänge oftmals wieder zurück ins Leben schleichen, bis es dann irgendwann (wieder) zu einer Verschlechterung kommt. In diesen Worten erkannte fand ich mich leider sehr wieder. Denn wenn es mir wieder besser geht nach einem Zwangs-Schub, neige ich auch dazu, das Üben zu vergessen oder für nicht mehr nötig anzusehen …

Darum meine neue Devise: kontinuierlich am Ball bleiben in Sachen Expositionsübungen und Achtsamkeit, auch wenn ich mich wieder besser fühle. Es lohnt sich.