Looking back

… nicht „over my shoulder“, (wobei, ich mag den Song), sondern auf das Jahr 2017. Für mich war es ein besonderes Jahr. Das liegt gar nicht so sehr an äußeren Ereignissen, sondern vor allem an meiner inneren Entwicklung. Aber der Reihe nach …

Studium

Ich habe es hier auf dem Blog noch nicht geschrieben: Vor einiger Zeit habe ich mich entschieden, meinen Studiengang zu wechseln. Diese Entscheidung fiel mir nicht leicht. Wegen meiner Erkrankungen habe ich für den Bachelor ja einige Semester länger gebraucht als üblich. Ein Studiengangswechsel würde den Masterabschluss noch etwas weiter nach hinten schieben. Trotzdem habe ich mich dafür entschieden und bereue es bisher nicht. Ich merke immer wieder, dass mich die Themen und der Aufbau des neuen Studiengangs so viel mehr ansprechen und faszinieren als beim alten, in dem ich mich mit jeden Semester unwohler gefühlt habe, da wir einfach nicht zueinander passten.

Jobben

Auch hier gab es Veränderungen. Nachdem ich immer deutlicher gemerkt habe, dass mir die lange Pendelzeit zum Arbeitsort nicht gut tat, entschied ich mich schließlich trotz des netten und verständnisvollen Chefs und der angenehmen Arbeitsbedingungen für eine Kündigung. Auch hier gab es im Vorfeld wieder viel Grübelei und Selbstvorwürfe und -zweifel. Gespräche mit meinen Lieblingsmenschen und diversen Psych-Fachleuten führten mir aber vor Augen, dass es keine Schwäche ist, auf die Notbremse zu treten. Einige Wochen später fand ich zum Glück einen anderen Studentenjob in meinem Wohnort. Jetzt fahre ich nur noch halb so lange zur Arbeit, was eine echte Erleichterung ist. Auch die finanzielle Situation hat sich in Folge dessen verbessert.

Freundschaften

Dieses Jahr sind neue Menschen in mein Leben getreten, die ich nicht missen möchte. An erster Stelle Annie vom Blog Hoffnungsschein. Einige Monate hatten wir bereits abseits unserer Blogs privat geschrieben, als wir uns dann diesen Sommer das erste Mal in Echt trafen. Und ich würde sagen, bereits am Ende dieses Tages sind wir Freundinnen geworden 😉 Annie ist ein sehr warmherziger, kreativer Mensch, eine gute Zuhörerin und Gesprächspartnerin. Ich bin sehr froh, dass wir Freundinnen sind!

Meine alten Freundschaften sind das Jahr hindurch bestehen geblieben und haben mir immer wieder Kraft gegeben und viele schöne Momente beschert.

Der ein oder andere Online-Kontakt hat sich über das Bloggen ergeben, wofür ich dankbar bin. Ich freue mich, 2018 weiter mit euch zu schreiben!

Während der Tagesklinikzeit durfte ich einige liebe Menschen kennenlernen. Zu manchen von ihnen besteht auch jetzt, einige Monate nach der Entlassung, noch Kontakt. Wir sind definitiv eine besondere, harmonische Therapie-Gruppe gewesen!

Hobbys

Als neues Hobby ist Yoga dazu gekommen. Seit Jahren wollte ich gerne einen Sportkurs mitmachen, habe mich jedoch von meiner Angst vor Gruppensituationen lange davon abhalten lassen. Yoga sagte mir bis dato nicht viel. Ich hatte mir darunter immer etwas Ähnliches wie Pilates vorgestellt – und Pilates, das mochte ich so gar nicht. In der Tagesklinik machten wir dann regelmäßig Yogaübungen und ich merkte schnell, dass es so ganz Anders war als angenommen und mir sehr gut tat. Animiert von einigen mutigen Mitpatienten, die sich ihren Ängsten in verschiedenen Situationen stellten, fasste ich dann den Entschluss, mich nach Ende der TK-Zeit in einem Yogakurs anzumelden. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellte. Mit der Angst und Vermeidungstendenzen ringe ich zwar manchmal noch immer, aber es ist schon deutlich besser geworden und der Spaß am Yoga und die innere Ruhe, die es mir gibt, wiegen das  definitiv auf!

Vor kurzem habe ich dann das Backen für mich wiederentdeckt.

Gesundheit

In diesem Punkt gab es wohl die meisten Veränderungen. 2015 und 2016 hatte ich meine ersten und bisher einzigen beiden stationären Aufenthalte. Dieses Jahr war dagegen keine stationäre Behandlung notwendig 🤘 Statt wie in den beiden Jahren davor eine schwere depressive Episode beehrte mich dieses Jahr eine mittelschwere mit ihrer wunderbaren *hust* Gegenwart. Wir bekamen sie aber mit der tagesklinischen Behandlung gut und wesentlich schneller in den Griff, als ich dachte. Das gab und gibt mir Mut für die Zukunft, etwaigen weiteren depressiven Episoden anders begegnen zu können als noch vor ein paar Jahren. Diese Erfahrung verkleinert auch meine Rückfallangst um einen guten Teil. Momentan habe ich mehr depressionsfreie als depressive Tage, was mir so viel mehr an Lebensfreude gibt, als ich in Worte fassen kann. Ich bin so so dankbar dafür, gerade wenn ich an meine Anfangsjahre nach der Diagnosestellung zurückdenke, in denen ich über Monate mit einer wiederkehrenden schweren depressiven Symptomatik zu kämpfen hatte und mich oft verzweifelt und teils auch lebensmüde fühlte. Ich denke, in Sachen Depression konnte ich sehr von der schematherapeutischen Arbeit mit meiner Therapeutin profitieren.

Und die Angst und die Zwänge?

Die sind noch da, aber momentan nicht so ausgeprägt. In stressigen Phasen schießen die Angst- und die Zwangssymptomatik bei mir oft hoch. Das kann ich inzwischen besser als früher als Warnzeichen erkennen und versuche dann, mehr auf mich zu achten und Stresssoren so weit möglich zu reduzieren. Ich hoffe, der geplante Klinikaufenthalt für wird mir helfen, mit der Zwangs- und der Angsterkrankung noch weitere Fortschritte zu machen.

Was die Zwänge angeht, hatte ich das Glück, in der Tagesklinik einen Bezugspfleger zu haben, der viel Erfahrung mit dem Thema Achtsamkeit und Meditation hat. Er konnte mir helfen, das Achtsamkeitskonzept auf meine Zwangsgedanken anzuwenden. Seitdem versuche ich, mich nicht mehr so sehr auf absolute und schnellstmögliche Heilung zu fokussieren (und mich dadurch im Endeffekt selbst sehr unter Druck zu setzen!), sondern meine Zwangsgedanken gelassener kommen und gehen zu lassen und zu versuchen, sie nicht zu bewerten. Akzeptanz ist da wohl das Schlüsselwort.

Aber auch der Wechsel von meinem niedergelassenen Psychiater hin zur psychiatrischen Institutsambulanz hat mir geholfen. Ich merke, dass man sich dort in der Zwangssprechstunde besser mit meiner Erkrankung auskennt als in der Praxis, wo ich zuvor in Behandlung war. Die häufigeren Kontrolltermine, die sie anbieten, geben mir die Chance, möglichen Verschlechterungen zeitnah zu begegnen. Und mit meinem neuen Arzt habe ich einen engagierten und erfahrenen Ansprechpartner, der mir schon mehrere gute Denkanstöße und Tipps gegeben hat.

Der Blog

Farbensehnsucht ist 2017 weiter gewachsen an Beiträgen, neuen Post-Ideen und Lesern. Ein von Herzen kommendes Danke an dieser Stelle an euch! Eure Kommentare, Likes und e-Mails bedeuten mir viel und geben mir immer wieder Kraft und das Gefühl, nicht allein zu sein mit meinem Kampf mit den Schatten im Inneren. Was wir alleine nicht schaffen …

Daneben habe ich einige neue Blogs und Blogger unter euch kennengelernt, die mir ans Herz gewachsen sind und viel Input gegeben haben. Danke dafür!

Und jetzt … bin ich gespannt auf 2018.

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Wie unter Strom und vibrierend vor Leben

So fühl(t)e ich mich die letzten Tage über. Es war viel los:

… meine erste Arbeitswoche im neuen Studentenjob. Obwohl ich schon seit einigen Jahren in diesem Bereich arbeite, war ich doch nervös und hatte einige Auseinandersetzungen mit der Angst, die mir einreden wollte, ich würde das alles ganz sicher nicht hinbekommen. Habe ich aber. Pah, nimm das, Angst! Im Moment bin ich dabei, mich in die Arbeitsabläufe einzufinden und zu schauen, wie ich mich am besten organisiere, da ich nun auch Aufgaben übernehme, für die bei meinen alten Arbeitgebern Mitarbeiter aus anderen Bereichen zuständig waren. Darum wundert euch nicht, wenn es die nächste Zeit hier vielleicht etwas ruhiger wird als sonst.

… der defekte Laptop, der mir einiges an Stress bescherte, da ich für den Job immer ein paar Dinge von zuhause aus via Internet erledigen muss. Dank der lieben coeurdesouriceau zeichnet sich hier nun aber Hilfe ab. Vielen lieben Dank!

… Termine bei meinem Arzt und meiner Therapeutin. Beide Termine waren gut und hilfreich, haben mich aber auch etwas aufgewühlt. Wir haben nun beschlossen, dass ein Aufenthalt in einer auf Zwangsstörungen spezialisierten Klinik mich auf meinem Weg weiterbringen könnte. Meine Aufgabe ist es jetzt, Kliniken rauszusuchen und mich über das Aufnahmeprocedere schlau zu machen. Inzwischen habe ich mir auch schon eine Liste zusammengestellt und werde irgendwann die nächsten Wochen meinen Favoriten anrufen und Infos einholen. Da ich ja erst vor kurzem in der Tagesklinik war, die Zwänge momentan schwach ausgeprägt sind und ich jetzt erst einmal meinen ganz normalen Alltag genießen und mit dem Studium weiter vorankommen will, peile ich die ganze Kliniksache nicht vor den nächsten Semesterferien an.

… auch in Sachen Ehrenamt hat sich nach längerem Stillstand etwas getan. Daneben habe ich Freunden bei ihren Bewerbungen geholfen, angefangen, meinen bevorstehenden Geburtstag zu planen und muss noch Univeranstaltungen vorbereiten …

Einerseits finde ich es großartig und bin dankbar dafür, dass mein Leben jetzt wieder so richtig in Fahrt kommt, andererseits merke ich aber auch, dass ich gut auf mich achten muss, um nicht wieder in meine alten Muster zurückzufallen, die die Depression und Co. begünstigen.

In den letzten Tagen hatte ich öfters wieder das Gefühl, auf meiner Brust läge ein Stein, der mich am Atmen hindert. Dazu kam das Empfinden, unter Strom zu stehen, von Rastlosigkeit und Unruhe. Für mich inzwischen vertraute Warnzeichen meines Körpers und meiner Seele, langsamer und bedachter zu machen und mich nicht so sehr unter Druck zu setzen, wie ich es oft automatisch tue.

Das heißt konkret:

  • Bewusst Pausen machen, auch wenn ich das Gefühl habe, dass noch so viel zu tun ist. Ab einer bestimmten Uhrzeit bewusst Feierabend machen, dann wird nichts mehr gemacht für Arbeit, Uni oder Blog und auch versucht, gedanklich abzuschalten
  • Zwischendurch Achtsamkeitsübungen und PMR einbauen, bevor Angst und Anspannung die Chance haben, überzuschießen
  • Weiter regelmäßig Sport machen (die letzten Wochen sah es damit leider sehr mau aus)
  • Genug trinken. Auf den Koffeinkonsum achten (zu viel Kaffee kann bei mir die Angst verstärken). Weniger Stress-Essen. Mir statt zu viel Süßkram mehr frisches Obst und Gemüse gönnen.
  • Versuchen, mitfühlend und freundlich mit mir umzugehen statt in alter Manier verständnislos und hart. Es muss nicht immer alles perfekt sein, das ist auch gar nicht möglich. Und es ist besser ins Handeln kommen und etwas tun als aus Angst vor Fehlern passiv zu bleiben